CD der Woche vom 24.09.2012 bis zum 30.09.2012

Warsaw Village Band - Nord

Jaro Medien (2012)
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von: Nellski

Ta Kapela Ze Wsi Warszawa, zu Deutsch die Kapelle aus dem Dorfe Warschau, konnte diesen Sommer ihr fünfzehntes Bandjubiläum feiern - Zeit genug ausreichend musikalische Erfahrungen zu sammeln, um mit ihrem sechsten Album "Nord" prompt den zweiten Platz der World Music Charts einzuheimsen. Kein anderes polnisches Album erreichte bisher eine so hohe Platzierung. Direkt im ersten Lied "Hey You, Yokel's Son" zeigen sie aber stolz, dass es ihnen nicht darum geht mit ihrer Musik reich zu werden. Sie fordern ihre Verehrer auf, sich lieber jemand mit mehr Geld zu suchen, denn ihnen spiele nur die Musik. Statt dessen dürfen die Hochstapler und Reichen sie bloß betrachten. Dass sie eins mit der Musik sind, zeigen Magdalena Sobczak-Kotnarowska, Sylivia Swiatkowska und Ewa Welackea ganz eindeutig, indem sie demonstrieren, wozu ihre Stimmen in der Lage sind. Sie mischen die Kunst der Polyphonie und des Kanons zu einer epischen Gesangskunst, weißer Gesang genannt, wie man es nur noch selten zu hören bekommt. Und das nicht nur im ersten Lied. Doch wenn Milosz Gawrylkiewicz's majestätische Trompete, Pawel Mazurczak's interessant gekratzten Vorläufer der Violine, der Suka, Maciej Szajkowski's schammanisches Gewitter auf uralten Rahmentrommeln, dazu mal ein dezentes Drehleierschnarren oder ein meisterliches Zimbalspiel nicht fast durchgehend die Stücke in Trance voran treiben, könnte man fast traurig sein, dass in drei der insgesamt dreizehn Stücke die Mädels nicht im Chor trällern. Allerdings sei auch gesagt, dass sie im Stück "Hemp Lullaby" komplett acapella verschiedene polnische Schlaflieder mit ihren treibenden Folklorestimmen so kanonartig ineinander verstricken, dass man sich anschließend wundert, wie dehnbar Zeit sein kann. Jahrhunderte der Folkmusik werden mit Hilfe von vergessenen Instrumenten und Gesangstechniken von dem polnischen Sextett Warsaw Village Band fein aufpoliert und avantgardistisch modern getuned, sie werfen dabei stets den ein oder anderen Blick auf Folkmusik außerhalb Osteuropas. So fügt sich beispielsweise indianischer Kriegsgesang nahtlos ein in dem Stück "War's Coming", einem Abschiedslied eines Soldaten an seine Mutter. Globalisierte klassische moderne Folkmusik. Dzięki za wspaniałą muzykę, Kapela Ze Wsi Warszawa!