CD der Woche vom 11.07.2011 bis zum 17.07.2011

Papaya Republik - Vol. 1

iTunes (2010)
Papaya Republik - Vol. 1
von: Clemens Grün

Die kolumbianische Musikszene gehört zu den kreativsten des lateinamerikanischen Kontinents. Im Fahrwasser internationaler Stars wie Shakira, Juanes oder Carlos Vives haben Gruppen wie Choc Quib Town, Bomba Estereo oder Systema Solar den zeitgemäßen Mix aus HipHop, Salsa, Cumbia und elektronischen Klängen längst auch in Europa populär gemacht. Aus letztgenanntem Kollektiv ist auch Papaya Republik hervorgegangen, das neue Electro-Cumbia-Projekt des Sängers, Produzenten und Ex-Hardrockers Mauricio "Batori" Pardo.

Gemeinsam mit dem Arrangeur und Produzenten Juan Pablo Valencia und einer sechsköpfigen Band interpretiert der kauzige Zeremonienmeister politisches Kabarett als fiebrig-tropisches Spektakel: ein schwüler Bass, eine wabernde Orgel und merkwürdig hypnotische Gesänge treffen auf Jazz, Funk, House, Bolero und Afrorhythmen aus dem karibischen Norden. Die Bläsersätze erinnern an die legendäre, lokale Traditionen popularisierende Mojarra Eléctrica.

Anders als man es von der herkömmlichen Cumbia gewohnt ist, sind die Songtexte alles andere als banal. Sie thematisieren Politik, Mafia, Gewalt und Alltagserfahrungen des urbanen Kolumbiens. "culo e vaina jopo" etwa spottet im afrokolumbianischen Straßenslang, mit einer ironisch-obszönen Verdrehung der Redewendung "cule vaina jopo" (dt. etwa: "wie peinlich!"), über Menschen, denen Spaß wichtiger ist als politisches Engagement. Bei dem Liebeslied "la flakita", das eher an ein Voodoo-Ritual erinnert als an romantische Nächte, scheint Screaming Jay Hawkins Pate gestanden zu haben. "Breve la vuelta" (dt.:"bringen wir es hinter uns.") ist ein Dialog zwischen Auftragskillern, auf Konzerten von Batori angemessen verstörend, zitternd mit einer ins Publikum gerichteten Spielzeugpistole vorgetragen. Gleich zwei Songs widmet der Autor hingegen vergleichsweise harmlosen Computerproblemen: "mi PC" und "fayaguaya" (sprich: "Firewire"), die moderne Parodie eines Karnevalssongs mit einem dazugehörigen grellbunten Videoclip, der in punkto fröhlicher Ausgelassenheit seinen Vorbildern dann doch in nichts nachsteht.