CD der Woche vom 16.01.2012 bis zum 22.01.2012

Matuto - Matuto

Galileo Music Communic. (2011)
Matuto Diese CD auf Amazon kaufen
von: Katrin Wilke

Country meets Country - auf unserer CD der Woche. Aber nicht, dass Johnny Cash gegen sich selber Tennis spielen würde. Nein, zwei ländliche Musiktraditionen - eine aus dem nordamerikanischen Osten, die andere aus dem brasilianischen Nordosten - finden in New York zusammen, verkuppelt von der dort ansässigen, im Kern fünf- bis sechsköpfigen Band Matuto. Bluegrass und andere Spielarten der ursprünglich von den Apalachen stammenden Country-Musik geben sich einen recht neuartig klingenden, fröhlichen Schlagabtausch mit dem Forró der "Cowboys" aus Pernambuco. In diesem Bundesstaat Brasiliens ist diese gut tanzbare "música nordestina" zuhause, zur der nicht nur in ganz Brasilien, sondern längst auch in vielen anderen Ecken der Welt geschwoft wird. Der Bandname, auch Titel des Debütalbums, steht im brasilianischen Portugiesisch für jemanden vom Dorf, einen Provinzler. Dabei hat diese klangliche, rhythmische und sprachliche Allianz so gar nichts Hinterwäldlerisches: Die erdige Zabumba-Trommel Brasiliens und Akkordeon, mal ganz waschecht "nordestino" gespielt, mal nach Cajun klingend, paaren sich ganz vortrefflich mit Bluegrass-Fiddle, Flöte, Hammond oder dem Cavaquinho, der kleinen Samba-Gitarre. Der italo-amerikanische Akkordeonist Rob Curto sammelte während eines langen Brasilien-Aufenthaltes viele, für dieses Projekt wichtige Erfahrungen, versteht sich darüber hinaus auch auf Rock, Blues, Funk und Swing. Der zweite Kreativkopf des personell recht offenen Unternehmens, der singende und unter anderem Gitarre spielende Clay Ross aus South Carolina nähert sich stärker vom Bluegrass aus der Sache, ist darüber hinaus mit diversen Worldmusic- und Jazz-Traditionen vertraut. Alleine mit den beiden kommt allerhand an Einflüssen zusammen. Ganz zu schweigen von den vielen weiteren beteiligten Instrumentalisten und Sängern - Nordamerikaner sowie in den USA beheimatete Brasilianer - die sich je nach Atmosphäre und Laune ins musikalisch bunte Geschehen mischen. Das vorliegende Songdutzend enthält Instrumentals sowie auf Portugiesisch oder Englisch intonierte Stücke, Traditionals, eigene und originale Forró-Kompositionen, wie "Retrato de um Forró" von Luiz Gonzaga, dem "Übervater" dieses Genres. Eine gelungene, quasi panamerikanische Begegnung auf Augenhöhe, oder noch schöner: eine Art spätes Familientreffen voller Vertrautheit zwischen dem Norden und dem Süden des Kontinents.