CD der Woche vom 11.03.2013 bis zum 17.03.2013

Layori - Rebirth

Afrojam Music (2012)
Layori - Rebirth Diese CD auf Amazon kaufen
von: Clemens Grün

Layori ist eine junge nigerianische Sängerin, die mit vier versierten Jazzmusikern in München ihr Debutalbum aufgenommen hat. Die zwölf melancholischen, fast komplett akustisch vorgetragenen Songs des Albums sind ruhig, eingängig, vielschichtig und berührend. Der Song "Dada" ist bereits von einem 2010 veröffentlichten Video bekannt, das - spektakulär mit elegantem, wehendem roten Gewand an einem Flußlauf, einer Oase und im gleißenden Sonnenlicht der Sahara fotografiert - zu einem veritablen Youtube-Hit avancierte.

Ihren Künstlernamen leitet Layori aus einer leicht verkürzten Form ihres Nachnamens ab. Er bedeutet: "Gerettet durch Anmut", aber auch: "die eine, die es geschafft hat". Mit "Rebirth" durfte Layori die freudige Aufregung einer Geburt gleich im doppelten Sinne erleben, denn während der Aufnahmen zum Album war sie schwanger mit ihrer Tochter Mayowa, die nicht nur im gleichnamigen ersten Song des Albums gegenwärtig ist. Das ganze Album ist beseelt von der Intensität und Inspiration durch das werdende Leben und Texten, die unseren inneren Zusammenhalt mit der Welt ausloten.

"Pelu ayo la ma de ibi tan'lo" - "Freude" singt Layori in "Dada", wie die meisten Songs in ihrer Muttersprache Yoruba, "sollte uns auf all unseren Wegen begleiten". In "Owun Mi" dankt Layori ihrem Schöpfer für ihre besondere Gabe des Singens, in "Iwa Lewa" huldigt sie dem Schöpfer in uns selbst. "Igbagbe" ist ein Pladoyer dafür, nicht in Gedanken zu versinken und so "die wichtigen Momente in unserem Leben zu verpassen", und "Que vida" greift wieder das Motiv der Dankbarkeit auf, gesungen auf Portugiesisch, der Sprache von Layoris "zweiter Heimat ihres Herzens", weil sich dort "Europa und Afrika am nächsten kommen".

Musikalisch steht "Rebirth" in der Tradition von Cool und Vocal Jazz, Reggae, Soul, Blues, Bossa und Popballade. Die leichtfüßigen, minimalistischen Arrangements kommen ohne Schlagzeug aus, den Rhythmus bestimmen Gitarre, Kontrabass und Cajon, Saxophon und Querflöte umschmeicheln harmonisch die so sanfte wie eindringliche Altstimme der Sängerin, die als vollwertiges Instrument neben den anderen steht und Vergleiche mit Ikonen des Afro-Pop wie Tracy Chapman, Asa oder Sade nicht zu scheuen braucht.

Es ist dies eine zeitlose, universale Musik, die den Lebensweg einer Künstlerin widerspiegelt, die als Tochter einer Christin und eines muslimischen Geschäftsmannes in Lagos, New York und London aufgewachsen ist und später in Kanada, Portugal und Deutschland gelebt hat. Genauso kosmopolitisch wie die Künstlerin ist auch die Zusammensetzung ihrer Band: Cajonist Humphrey Cairo stammt aus Aruba, Saxophonist und Flötist Alberto Barreira aus Brasilien, Gitarrist Adrian Reiter, der die Songs mit Layori komponiert und arrangiert hat, aus Deutschland. Der deutsch-amerikanische Bassist Rocky Knauer wiederum hat jahrelang mit Chet Baker zusammengearbeitet und geht auch schon mal mit Helge Schneider auf Tour.

Mit kurzen Übersetzungen ihrer Texte im Begleitheft möchte Layori die Sprachbarriere überbrücken. Verständlichkeit ist ihr wichtig, auf allen Ebenen. Sie wünscht sich, dass die "Musik auf diesem Album für alle zugänglich ist. Ich habe die Worte meiner Sprache sehr sorgfältig ausgewählt, manche Worte habe ich bewusst immer wiederholt. Ich wollte, dass die Menschen - selbst wenn sie die Worte nicht verstehen - trotzdem mitsingen können."

Layori tritt am 20. März im Waschhaus Potsdam auf und am 21. März im Rahmen des Jazzfrühlings im Schauspielhaus Neubrandenburg.