CD der Woche vom 14.10.2013 bis zum 20.10.2013

Lala Njava - Malagasy Blues

World Music Network / Harmonia Mundi (2013)
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von: Wolfgang König

Madagaskar ist auch für viele Weltmusik-Liebhaber noch immer ein ziemlich heller Fleck auf dem musikalischen Globus. Dabei existiert auf der Insel vor der Ostküste Afrikas eine der faszinierendsten Kulturen Kontinents. Uns in Europa wird sie vor allem über Migranten zugänglich. Eine Künstlerin die sich jetzt lautstark mit ihrem Debüt-Album zu Wort meldet, ist die 55 jährige, in Brüssel ansässige Lala Njava. Auch wenn "Malagasy Blues Song" ihre erste CD unter eigenem Namen ist, hat Lala Njava bereits viele Jahre im Musikgeschäft hinter sich. Als unmittelbare Einflüsse nennt sie den sehr emotionalen Gesangsstil von Mama Sana, der Heilerin des Dorfes, in dem sie aufwuchs, sowie Miriam Makeba, Aretha Franklin und Tina Turner, die sie im Radio gehört hatte.

Eigene Bühnenerfahrungen sammelte Lala Njava schon früh mit der vom Vater gemanagten Familien-Band, die kreuz und quer durch Madagaskar tourte. Anfang der 1980er Jahre löste sich die Gruppe auf, und Lala Njava ging in die Hauptstadt Antananarivo. Sie arbeitete tagsüber als Lehrerin, arbeitete aber weiterhin als Sängerin mit verschiedenen Bands. Zum bisher größten Bruch in Lala Njavas Biografie wurde 1986 ihre Übersiedlung nach Brüssel, wo sich wenig später auch ihr gitarrespielender Bruder Dozzy Njava niederließ, dem weitere Geschwister folgten, so dass sich im belgischen Exil wieder eine Familien-Band mit dem schlichten Namen "Njava" zusammenfand. Die Gruppe nahm zwei erfolgreiche Alben auf, wurde mit Auszeichungen überhäuft (darunter der Preis von Radio France International für musikalische Neuentdeckungen) und tourte intensiv durch Europa und Nordamerika. Parellel dazu war Lala Njava zeitweilig Mitglied von Deep Forest.

Auch ihre aktuelle CD "Malagasy Blues Song" hat sie wieder im vertrauten Familienkreis eingespielt: mit den Brüdern Dozzy (Gitarre), Maximin (Bass) und Pata Njava (Schlagzeug, Percussion). Diese Möglichkeit zu haben, empfindet sie als Privileg: "Es ist eine große Chance, denn dadurch fühle ich mich beschützt und in Sicherheit." Zu den Gästen auf dem Album gehört mit dem Akkordeon-Virtuosen Régis Gizavo ein weiterer prominenter Musiker aus Madagaskar, der in Europa lebt. Westliche Pop-Einflüsse sind zwar weiterhin vorhanden, dominieren den Klang des Albums aber nicht, denn auch nach knapp drei Jahrzehnten in Brüssel ist aus Lala Njava keine Belgierin geworden. "Ich habe die Füße in Europa, aber mein Herz ist in Madagaskar. Für mich ist es sehr wichtig, den Kontakt zu meinen Wurzeln zu behalten und so oft wie möglich nach Madagaskar zu reisen, mit den Leuten dort zusammen zu sein, an ihrem Leben teilzuhaben und auch an Zeremonien für die Ahnen." Denn die sind, wie überall in Afrika, nicht einfach tot, sondern im Leben der Nachkommen täglich präsent; und bei den Zeremonien ehrt man sie nicht nur, sondern bittet um Hilfe bei der Bewältigung der Probleme der Lebenden.

Auch Lala Njavas Texte drehen sich um ihre Insel, um Heimweh, Korruption oder illegale Polygamie. Insofern ist auch der Album-Titel "Malagasy Blues Song" programmatisch. Diese Musik aus Nordamerika ist Lala Njava alles andere als fremd. "In meiner musikalischen Kultur im Südosten Madagaskars gibt es einen Stil der Beko heißt. Der ist praktisch ein Äquivalent zum Blues. Für mich ist der Blues so etwas wie ein Schrei, er ist Schmerz, Freude, Hoffnung und Enttäuschung, eine Botschaft." In Madagaskar unterstützt Lala Njava Projekte für Frauen und Kinder sowie zur Wiederaufforstung der abgeholzten Wälder. Das geht mit ihrer Musik Hand in Hand, meint sie. "Ich schreibe Song, um Dinge zu verarbeiten, die mich belasten, denn ich mag es, solche Dinge konkret zu benennen und sie anzuprangern."