CD der Woche vom 17.10.2011 bis zum 23.10.2011

La Chiva Gantiva - Pelao

crammed discs (2011)
La Chiva Gantiva - Pelao Diese CD auf Amazon kaufen
von: Katrin Wilke

In Kolumbien wächst und gedeiht eine sehr interessante Bewegung junger Bands und Musiker, die ihre reichhaltige einheimische Folklore in moderne Klänge und Traditionen einbinden, in Jazz, Rock, Funk, HipHop, Elektronik und vieles mehr, und so einen urbanen, genauso lebendigen wie kunstvollen Neo-Folk kreieren. Mit La Chiva Gantiva haben diese Kreativköpfe eine Art Filiale in der Diaspora. Die 2005 in Brüssel formierte Band - derzeit ein Septett - zaubert eine suggestive, auch den letzten Tanzmuffel antreibende Melange aus diversen kolumbianischen bzw. afrokolumbianischen Stilen, etwa den Currulao und die mittlerweile allseits bekannte Cumbia, aus Afrobeat, Rock, Ska, Funk, Salsa, Jazz und HipHop.

Die Kolumbianer haben in der Band personell und musikalisch auch die Nase vorn mit dem singenden und Perkussion spielenden Frontmann (sowie Grafikdesigner!) Rafael Espinel, auf dessen Konto auch die liebevolle, originelle, farbenprächtige Gestaltung der CD und einer zuvor erschienenen EP mit fünf ersten Songs geht. Felipe Deckers spielt E-Gitarre sowie die kleine, in ganz Lateinamerika vorkommende Gitarre namens Tiple. Der Bogotano mit dem deutsch klingenden Nachnamen ist auch der zentrale Komponist der Band. Und last but not least: die Chiva-Quotenfrau Natalia Gantiva, eine genauso zierliche wie kraftvolle Perkussionistin, die im Grunde niemals mehr La Chiva Gantiva verlassen kann, weil ihr Name in dem der Band verewigt ist. Das andere Wort "Chiva" kommt übrigens von den in Kolumbien und anderswo in Lateinamerika typischen, bunt bemalten Bussen, die mitunter auch des Nachts als mobile Fiesta-Vehikel durch die Städte kurven.

Damit der Sound von La Chiva Gantiva nicht auf kolumbianischen Heimatboden kleben bleibt, sondern stilistisch in alle vier Winde weht, dafür sorgen des weiteren zwei Belgier - genauer: ein Flame und ein Wallone - ein Vietnamese und ein Franzose. Rustikale traditionelle Perkussion paart sich mit derbem Rockschlagzeug, E-Bass, Saxofon oder Klarinette. Vielseitig wie die Musik sind auch die Sprachen - neben Spanisch, Französisch und Englisch - in denen Rafael im Verbund mit seinen Freunden die teils kritischen, augenzwinkernd ironischen Lieder über das Dasein in der Fremde, die Liebe zum Leben, zu den Menschen und zur Musik intoniert. Seit gut sechs Jahren machen die (Wahl-)Belgier die Klubs und Festivals allerorten in Europa unsicher. Zwei Mal traten sie bereits beim Festival Fusion in Lärz auf und beim dortigen Publikum nichts als offene Türen ein. Selbiges passierte auch beim Konzert von La Chiva Gantiva auf dem Straßenfest des Berliner Karnevals der Kulturen 2010. Damals waren sie bereits einmal live zu Gast auf Radio multicult.fm, in unserer Karnevalssondersendung. Und so ist es uns eine besondere Ehre, nein, schöner: eine Freude, nun ihr wunderschönes erstes Langspiel-Album vorzustellen und zu unserer CD der Woche zu küren. Deren Titel  "Pelao" bedeutet Verschiedenes - im Slang vieler Karibikregionen bedeutet er auch "jung" oder "Jugendlicher", "Kind" oder "Baby". Und dieses Baby hat nun also das Licht der Welt erblickt. Auf dass es groß und stark werde und sich des Lebens freue überall zwischen Brüssel, Bogotá, Berlin und dem Rest der Welt...