CD der Woche vom 21.05.2012 bis zum 27.05.2012

Ebo Taylor - Appia Kwa Bridge

Strut (2012)
Ebo Taylor - Appia Kwa Bridge Diese CD auf Amazon kaufen
von: Wolfgang König

Als Künstler mit Mitte siebzig noch mal international durchstarten? Die Senioren vom kubanischen Buena Vista Social Club haben es in den 90ern vorgemacht, blieben allerdings auf der Bühner vom Alter her mehr oder weniger unter sich. Ebo Taylor, Gitarrist und Sänger aus Ghana, hat mit der Afrobeat Academy aus Berlin für seine internationalen Tourneen eine Band, deren Mitglieder seine Kinder sein könnten, was im Falle des Keyboarders Henry Taylor sogar zutrifft. Und wer sieht, wie Ebo Taylor über die Bühne fegt, kann sich nur wünschen, selber mit 76 noch genau so fit zu sein. Ebo Taylor stammt aus der Universitätsstadt Cape Coast am zentralen Abschnitt der ghanaischen Atlantikküste. In den frühen 1960er Jahren studierte er Musik in London, wo er mit seinem Kommilitonen Fela Kuti aus Nigeria die Black Star Band leitete. Wieder zurück in Ghana war Ebo Taylor als Komponist, Arrangeur, Produzent und musikalischer Direktor für dieverse Highlife- und Afrobeat-Stars tätig, z.B. für Pat Thomas, C.K. Mann oder die Uhuru Band. Das brachte ihm den Beinamen "Quincy Jones der ghanaischen Musik" ein. In den 90ern wurde es stiller um Ebo Taylor, denn das ghanaische Publikum stand mehr auf Hiphop und House als auf solide handgemachte Musik. Um zu überleben, nahm er einen Job an der Universität von Accra an, wo er Musik unterrichtete und die Studentenband leitete. Der Wendepunkt kam 2008, als Ade Bantu und die Afrobeat Academy aus Berlin in Accra auftraten und Ebo zum Konzert einluden, weil sie einige seiner Stücke spielten. Daraus entstand die Idee, in Berlin eine Platte mit ihm zu produzieren. Das Album "Love And Death" erschien 2010 und war bei uns auch CD der Woche. Jetzt ist der Nachfolger "Appia Kwa Bridge" in die Läden gekommen, wieder mit Afrobeat - allerdings mit einem stärkeren Highlife-Einfluss. Denn für Ebo Taylor ist Afrobeat nicht das Eigentum von Fela Kuti und seinen Kindern, sondern ein Stil, der viele Varianten hat. Aussprache-Hinweis: Bei Appia liegt die Betonung auf dem i.