CD der Woche vom 17.12.2012 bis zum 23.12.2012

DJ Farrapo & Yanez - Alien na favela

Agogo/Indigo (2012)
DJ Farrapo & Yanez - Alien na favela Diese CD auf Amazon kaufen
von: Katrin Wilke

So kurz vor Weihnachten möchten wir den geneigten multicult.fm-Hörer noch mit einer Doppelladung guter Musik verwöhnen, zu der sich das eine oder andere Extra-Kilo gut wegtanzen lässt an den kommenden Festtagen. Spätestens zur Silvesterparty können die insgesamt 31 Tracks garantiert brillieren, ist das musikalische Werk der beiden "Quasi-Brasilianer" italienischer Herkunft doch geradezu gemacht zum Schwofen, zum Heben der Stimmung und der derzeitigen Temperaturen! Einige der aus Elektro, Samba und diversen, z.B. nordostbrasilianischen Traditionen, HipHop oder Funk u.v.a.m. raffiniert geköchelten Songs drehen sich schon seit längerem auf unserm Radio-Plattenteller, dürften also bereits Ohrwurm-Status haben: Das buchstäblich Appetit machende "Frango Assado" ("Brathähnchen") etwa, oder "Mojito com Cachaça" machten schon als Singles oder auf Compilations die weite Runde über die Dancefloors. Doch nun ist das gesamte Material der beiden Musikerfreunde erstmals auf zwei Silberscheiben versammelt: eine mit den Originalstücken, aufgenommen mit etlichen, musizierenden, singenden oder rappenden Gästen, und die zweite mit den Remixen der Songs, verfertigt u.a. von so namhaften Elektro-Tüftlern wie dem Franzosen DJ Click und dem Spanier DJ Panko, der einst bei der Band Ojos de Brujo mitwirkte.

Doch wer sind nun eigentlich die beiden "Favela-Aliens", die Drahtzieher des Ganzen? Der SingerSongwriter Yanez Servadei, Gitarre spielender Hauptsänger und -komponist des Projekts, verantwortet als Illustrator und Grafikdesigner auch die farbenfrohe Favela auf dem Cover dieser musikalisch nicht minder farbenprächtigen CD. Er wurde in Bologna geboren, wuchs jedoch in Salvador da Bahia auf und zog mit seinem eigenen Liedrepertoire durch die Lande, so auch durch Italien, wo er sich irgendwann mit DJ Farrapo aka Giorgio Cencetti zusammentat. Dieser, ebenfalls aus Bologna stammende Musiker verdingte sich als Keyboarder diverser Bands, schrieb seine Dissertation über die Hammondorgel und frönt in diesem Duo-Projekt seiner elektronischen Bastlerfreuden. Da haben sich ganz offen- und hörbar die Richtigen gefunden und wir dadurch unseren Spaß an einer betörenden Melange, die zumindest geografisch so weit weg vom Orignalort des musikalischen Geschehens, also in Italien entstand und die doch so stark brasilianisch, dabei aber auch genauso weltgewandt klingt.