CD der Woche vom 24.03.2014 bis zum 30.03.2014

DelaDap - This is DelaDap

Chat Chapeau (2014)
DelaDap - This is DelaDap Diese CD auf Amazon kaufen
von: Clemens Grün, Lena Grundmann

This is DelaDap - so heißt das neue Album der österreichischen Band DelaDap. Das Album mit zehn Songs und einem Remix ist am 14. März beim hauseigenen Label Chat Chapeau erschienen. Zwei ereignisreiche und nicht ganz einfache Jahre liegen hinter den Künstlern, in denen sie sich unter anderem in den Fallstricken des Reglements des Eurovision Song Contests verfingen und eine neue Leadsängerin einarbeiten mussten und sich. Doch wenn man mit soviel Herzblut und Schaffenskraft bei der Sache st wie Mastermind Stani Vana, wird das Scheitern zur Chance. So liegt kurz nach einer schon sehr produktiven Mexiko-Reise nun bereits das nächste Album der Formation in den Plattenläden, und tatsächlich ist der aktuell fünfköpfigen Formation im zehnten Jahr ihres Bestehens damit wieder einmal ein großer Wurf geglückt.

Wenn man an die Verbindung traditioneller Romamusik mit elektronischen Beats denkt, fallen einige Parallelen auf zwischen Stani Vana und dem Frankfurter DJ Stefan Hantel, besser bekannt unter dessen Künstlernamen Shantel. Letzterer versöhnte die Folklore Osteuropas vor elf Jahren mit dem Dancefloor und brachte eine beispiellose Welle von Balkan-inspirierten Musikproduktionen ins Rollen. Es war jene Zeit, da Europa entgültig bewusst wurde, dass die Grenzen offen und der Kalte Krieg vorbei war, das Berliner Szeneherz im Zweivierteltakt der Russendisko pochte, ein deutscher Fußballtrainer in Griechenland als Volkheld gefeiert wurde und die ukrainische Revolution noch orange war.

Die Balkan-Beats, deren Wiener Variante Stani Vana in feinsinnig "NuGipsy" taufte, waren der Sound der Stunde, der diese Aufbruchstimmung verkörperte. Beide Bandleader berichten gerne von ihrem persönlichen Erweckungserlebnis - Shantel bei seinen Großeltern in der Bukowina, Vana im Dorf seiner tschechischen Großmutter. Und beide Projekte entwickelten sich, nicht zuletzt den umwälzenden Vertänderungen auf dem Tonträgermarkt geschuldet, von präzise ausgetüftelten Studioprodukten zu weltweit gefragten Live-Acts, in denen Trompete und Akkordeon eine in der westlichen Popkultur nie gesehene dominante Rollen spielen. Wobei der Wahlwiener Vana nie auf der Welle des so geschickt wie massentauglich vermarkteten Bucovina Clubs mitschwamm, sondern das Genre in dessen Windschatten stets auf seine ganz eigene, originelle Weise weiterentwickelte.

Und während ihr Frankfurter Pendant musikalisch längst zu neuen Ufern aufgebrochen ist, scheinen Stani Vana und seine Mitstreiter ihr ganzes Potential zehn Jahre später erst zur vollen Blüte zu bringen. Reich an unterschiedlichsten und keineswegs auf die Folklore Osteurpas beschränkten Facetten war die Musik DelaDaps schon immer, doch nie zuvor klang sie energetischer und eingängiger, und nie hat sie soviel Coolness und Pop-Appeal versprüht. Die neue Sängerin Tania Saedi leiht dieser erstaunlichen Lässigkeit Gesicht und Stimme. Spielerisch wechselnd zwischen Englisch, Französisch und Deutsch, mal cinematographisch ("While You  Sleep"), mal urban-soulful ("Caravan of Clouds") und mal philosophisch ("One Goal in the End"), versprüht die persischstämmige Vokalistin mit jeder Textzeile zugleich Weltläufigkeit und - mit einem steten Lächeln auf den Lippen - unwiderstehlichen Wiener Charme.

Ein Konzept, das der energiegeladene Abräumer "Listen Up", ein Gast-Feature der Parov-Stelar-Frontfrau Yola B, auf die Spitze treibt. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Künstler eine hitverdächtige Elektroswing-Nummer wie "Cash und Chaos" auf die Tanzfläche zaubern, erinnert daran, dass DelaDap tatsächlich zu den Pionieren dieses Genres gehört, und passend dazu erscheint auch der alte DelaDap-Hit "Lautlos" ("Tu es beau") hier noch einmal im zeitgemäß electroswingenden Gewand.

Nachdem sich der musikalische Mainstream in Deutschland, in Gestalt von Gruppen und Künstlern wie Seeed, Peter Fox, Marteria oder Miss Platnum, mittlerweile wie selbstverständlich Elementen traditioneller Balkanmusik bedient und das deutsche TV-Publikum unlängst einen von slawischer Folklore inspirierten Titel zum Eurovision Song Contest schickte (nachdem die Brass Banda letztes Jahr nur an einem fragwürdigen Juryurteil gescheitert war), schreitet die Balkanisierung der Popmusik nun auch bei unseren alpinen Nachbarn ein grosses Stück voran. Welcher Standort wäre dafür auch geeigneter als das multiethnische Wien und Tor nach Südosteuropa? Spätestens mit diesem Album wird DelaDap zur Speerspitze der Bewegung.