CD der Woche vom 08.10.2012 bis zum 14.10.2012

Carmen Souza - Kachupada

Galileo MC (2012)
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von: Katrin Wilke

Die Künstlerin unserer CD der Woche wurde 1981 als Tochter von Kapverdianern in Lissabon geboren und lebt und arbeitet seit einigen Jahren in London. Die Gitarre und Piano spielende Sängerin, die als Kind begeistert im Kirchenchor sang, hat im Laufe von knapp zehn Jahren musikalisch Flügel bekommen. War ihr 2005 erschienenes Debütalbum "Ess ê nha cabo verde" (Das sind meine Kapverden) schon dem Titel nach noch ausdrücklicher ihrem Vater- und Mutterland zugeneigt, so mischt sich in ihre ganz eigene kapverdische Musikkultur etwa die des Jazz- und des SingerSongwriting.

Beim Herausarbeiten und Entfalten ihres besonderen Gesangsausdrucks, ihrer besonders facettenreichen, mal ganz irdisch und naturverbunden, mal spleenig wie ihre Landsfrau, Maria João, doch stets warm und soulig klingenden Stimme ist Souzas wichtigster Kreativpartner seit langem der ebenfalls an der Themse lebende, renommierte Lissaboner Bassist Theo Pas'cal. Gemeinsam mit einer kleinen, handverlesenen Schar von Musikern entstanden zwischen London und Lissabon 13 fein arrangierte und instrumentierte Songs, die eine feine Eleganz, aber auch den Duft von Holz und Sonne atmen. Das Gros von der Vokalistin selbst getextet und ihrem Kollegen vertont, desweiteren ein in Kreol vorgetragenes kapverdisches Traditional und - wie schon auf den Vorgängeralben geschehen - einige sehr originell abgewandelte Jazzstandards: Neben "My favourite things" auch Charlie Parker's "Donna Lee", das die Kapverd-Portugiesin mit einem eigenen Text versah. Spannend ist, wie Carmen Souza selbst ein solches Stück in lusophone, gar kapverdisch klingende Gefilde zu entführen vermag. Zwar vernimmt man ihrer Musik diesen kulturellen Background, doch hat diese nie jenen Wiedererkennungscharakter, der sich durch Cesaria Evora & Co. ein für alle Mal in unseren Ohren eingenistet haben dürfte.

Das Erbe der 2011 verstorbenen Kollegin führt die junge Künstlerin auf ganz eigene, stilistisch deutlich erweiterte, einfallsreiche Weise fort in ihrer Musik, welche diese famose Melancholie der Kapverden genauso spüren lässt wie eine unbändige Lebensfreude und Witzigkeit. Das einnehmende Lächeln bzw. Lachen der überaus sympathischen Frau überträgt sich nicht nur live, sondern auch so, ohne sie auf der Konzertbühne zu erleben, in ihren Liedern.