CD der Woche vom 04.06.2012 bis zum 10.06.2012

Amadou & Mariam - Folila

Because (Warner) (2012)
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von: Katrin Wilke

Ein schöner, von uns keineswegs gewollter Zufall ist die Gemeinsamkeit zwischen der Lissaboner Sängerin Dona Rosa, unserer vergangenen CD der Woche, und diesem Musikerpaar aus Mali. All drei Künstler sind blind - eine ihre Musik selbst nur bedingt prägende, doch für ihre jeweiligen Berufs- und Lebenswege durchaus bedeutende Tatsache. Sie würden heute wohl nicht weltweiten Popstarstatus genießen - zumindest nicht als Duo - wären sich die Sängerin Mariam Doumbia und der ebenfalls singende Gitarrist Amadou Bagayoko nicht als Jugendliche in der Blindenschule ihrer Heimatstadt Bamako begegnet. Seither bilden sie eine privat wie musikalisch starke Allianz, verschafften sich via Frankreich schließlich auch international Gehör mit ihrem 2005 veröffentlichten Album "Dimanche à Bamako". Beeindruckend, wie die beiden, stets von der eigenen westafrikanischen Mandinka-Tradition ausgehend, mit ihren zumeist in Bambara intonierten Songs unterschiedlichste Musikliebhaber wie auch Musiker aller nur denkbaren Genres ködern. Amadou & Mariam tourten mit Coldplay und U2, traten zur Friedensnobelpreis-Verleihung für Barack Obama auf und ließen ihre Alben von Manu Chao oder Damon Albarn (u.a. Kopf der Band Blur) produzieren. Doch ihre musikalische Weltläufigkeit lässt sich noch steigern, wie auf "Folila" (dt.: Musik) gut zu vernehmen. Gemeinsam mit Kollegen ihres Heimatkontinents sowie aus dem Rest der (westlichen) Welt, darunter Sänger und einstiger Kopf der Band Noir Desir, Betrand Cantat, Funk- und Soulmusiker Amp Fiddler oder Hiphop-Newcomer Theophilus London, nahm das "Traumpaar" (siehe Plattencover!) in Bamako und New York 13 wunderbare Songs auf: Vollmundiger, gut abgehangener Global Pop - im wahrsten, weltumspannendsten Sinne dieses Wortes - eine reichhaltige, Rock und Pop, Afrobeat, Funk, Blues oder HipHop enthaltende Melange. Gegen den ursprünglichen Plan, in beiden Städten jeweils ein Album mit den Musikern vor Ort aufzunehmen, entschied sich das Duo für den organischen Schulterschluss auf einem Album - gut so!