Sushi in Suhl

Kontrapunkt | 04.11.2012

Kontrapunkt 04.11.2012

Carsten Fiebeler (mit dem wilden Tier), Wolfgang König und Jacqueline Roussety

Zu Gast heute bei Jacqueline Roussety: Carsten Fiebeler, Drehbuchautor und Regisseur - zurzeit läuft sein Film "Sushi in Suh" in den Kinos. In den Hauptrollen Uwe Steimle als Rolf Anschütz und Julia Richter als seine Frau Ingrid. Es geht um die legendäre Geschichte des Kochs Rolf Anschütz, der zur DDR-Zeit ein japanisches Restaurant eröffnet, das weit über die Grenzen hinaus bekannt war und sein kulinarischer Ruf drang sogar bis nach Japan. Er lenkt natürlich die Aufmerksamkeit der Partei auf sich, und jetzt geschieht das aberwitzige: das ganze Unternehmen wird von der politischen Führung geduldet. Innerhalb kürzester Zeit stehen ihm Westdevisen für mehrere 100.000 DM zur Verfügung, um sich in Düsseldorf beim exklusivsten Feinkostspezialisten für asiatische Lebensmittel einzudecken. LKW-Ladungen rollen nach Suhl. Alles mit Rang und Namen trifft sich in Suhl und in seinem Beisein werden millionenschwere Geschäftsabschlüsse getroffen und gefeiert, mit dem wohl kapitalistischsten Land seiner Zeit. Das alles mitten im Kalten Krieg.

Und neben dem "The Making of Sushi in Suhl" wird auch die Frage im Raum stehen: was war tatsächlich möglich in der DDR? wie viele Freiräume konnte jemand für sich beanspruchen, wenn eine Idee, sei sie noch so verrückt und westlich orientiert, kompatibel mit dem real existierenden Sozialismus war? Filmästhetisch kann man den Film wie ein Märchen sehen: schöne Bilder, wundervolle Schneelandschaften japanisches Dekor in sanftes Licht getaucht. Endlich mal ein Film, der nicht nur Düsternis und Stacheldrahtzaun und Mauer zeigt, sondern den Traum eines Menschen, den er einfach realisieren wollte, mußte!, oder zeigt: es gab auch in der DDR schöne und humorvolle Zeiten. Momentaufnahmen eines Lebens, das lebenswert schien. Und weil hier natürlich auch die politische und gesellschaftliche Situation erörtert werden will, unterstützt Jacqueline Roussety ihr Kollege Wolfgang König als zweiter Studiogast, der die DDR aus eigener Erfahrung kennt und davon berichten wird.