CD der Woche vom 10.06.2013 bis zum 16.06.2013

Monsieur Periné - Hecho a mano. Suin a la colombiana

flowfish (2013)
Monsieur Periné - Hecho a mano. Suin a la colombiana Diese CD auf Amazon kaufen
von: Katrin Wilke

Der gute alte Swing geistert mit dem Präfix "Neo" seit langem durch verschiedenste Ecken der Welt, ist ein attraktiver Global Player auf den Dancefloors, wo er nicht zuletzt die etwas verlorengegange Kultur des Paartanzes wiederbelebt und wo man Menschen jeden Alters zu dieser elegant-altehrwürdigen, flotten Musik schwofen sehen kann. Nun scheint das Swing-Fieber auch das südliche Amerika erfasst zu haben, wie uns diese kolumbianische Band mit französischem Namen mit viel Temperament vormacht. Die sechs jungen Musiker von Monsieur Periné frönen vor allem des einst von Django Reinhardt auf den Weg gebrachten Gypsy Swing und Jazz Manouche. Nicht gerade das Naheliegendste im Land der Cumbia und vieler weiterer Musiktraditionen.

Doch mischen genau diese nebst vieler anderer lateinamerikanischer Einflüsse das recht eigenwillige Latin-Swing-Gebräu der Band gut mit auf, machen es zu etwas ganz Neuen, bis dato nicht Gehörten. Nachdem man sich beim Jammen auf der Straße begegnet war und 2007 in Bogotá mit dem recht originalgetreuen Covern alter Swing-Nummern begonnen hatte, besteht das Repertoire der Band mittlerweile im Wesentlichen aus Eigenkompositionen. Zehn davon landeten auf dem nun vom deutschen Label flowfish veröffentlichten Debütalbum. Dieses enthält desweiteren zwei Adaptionen: neben dem durch Reinhardt populär gewordenen Stück "Cou Cou" auch den mexikanischen Bolero-Klassiker "Sabor a mi", der hier nun gut auf Trab gebracht, im "kleinen schwarzen" Swing-Kleidchen ein ganz neues Sexappeal bekommt. Alles fein arrangiert von den fünf Instrumentalisten, die sich teils vom Musikstudium her kennen, und raffiniert umgesetzt mit einer Vielzahl eher swing-fernerer Instrumente, wie z.B. den kleinen Gitarren Charango oder Ronroco, Congas oder Darbuka.

Und Monsieur Periné, benannt nach einem fiktiven Herrn, mit dem man seinem Publikum augenzwinkernd ein paar Rätsel aufgeben möchte, sind nicht nur eine Band, sondern eigentlich ein fantasievolles, farbenprächtiges Gesamtkunstwerk, schaut man sich die spleenigen Videoclips, die Gestaltung des Albums (dort sieht man die sechs Kolumbianer als Tiere gezeichnet) und nicht zuletzt ihre Bühnenspektakel an. Deren klingender Blickfang ist die einzige Señorita der Band: Die temperamentvolle, singende Frontfrau Catalina García, die von ihrem Anthropologie-Studium eher zufällig zum Gesang geriet, entschlüpft der Gegenwart auch durchs passende Bühnenoutfit gerne in alte Swing-Zeiten. Doch museal klingt da nichts an diesem, wie schon der Albumtitel verheißt, handgemachten "Suin a a la colombiana", der einen allemal in Tanzlaune versetzt. Gelegenheit dazu hat man in Kürze, denn Monsieur Periné kommen erstmals nach Europa und touren gleich ganz ausgiebig. Den Anfang macht Berlin, wo die Kolumbianer am kommenden Samstag, am 15. Juni, im Yaam bei BeLasound auftreten werden. Dieser Sommerfestival-Newcomer wird von radio multicult.fm präsentiert.