CD der Woche vom 01.07.2013 bis zum 07.07.2013

Lord Mouse & The Kalypso Katz - Go Calypsonian

Piranha (Alive) (2013)
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von: Gabriele Schäfer

Lord Mouse & The Kalypso Katz hauchen dem afro-karibischen Sound neues Leben ein. Das Berliner Kollektiv, nach eigener Aussage die einzige Calypso Big Band Europas, widmet sich seit seinem Bestehen erfolgreich der Reanimation dieser Musik und präsentiert jetzt die zweite Veröffentlichung auf CD und Vinyl, produziert von Colin Bass (alias Sabah Habas Mustapha). Auf ihrer Berliner Summer Beach Tour und einer Frankreich-Tournee wird "Go Calypsonian" nun einem begeisterten Publikum vorgestellt.

Der Calypso entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in der Karibik, maßgeblich auf Trinidad und Tobago, und geht auf Nachkommen schwarzer Sklaven zurück. In den 40er und 50er Jahren wurde dieser Musikstil weltweit populär unter anderem durch Harry Belafonte, die Andrew Sisters und Robert Mitchum. Zwischendurch kaum noch wahrgenommen, erlebt das Genre nun ein Revival und wird von den Kalypso Katz zelebriert.

Die musikalische Großfamilie von Lord Mouse wird angeführt vom gleichnamigen Sänger und Frontmann und begleitet von einer virtuosen Band sowie sechs Backgroundsängerinnen mit so illustren Namen wie Jungle Jo, Chiquita Anita und Die Schicke Ulrike. Die Kalypso Katz versprühen ihre musikalische Vitalität live und in Farbe - ihre Kostüme wirken wie ein Hommage an Carmen Miranda, die Erfinderin des Tutti-Frutti-Huts und der Party-Funke springt auch aufs Publikum über.

Bestehend aus 17 Mitgliedern aus 7 Nationen wird die Band, trotz aller Multikulturalität, aber auch immer wieder mit stereotypen Urteilen konfrontiert. Nicht selten kommen Fragen im Stil von: Warum macht man denn als Weißer und als jemand, der noch nicht mal aus der Karibik kommt, Calypso-Musik? Derartige Schubladisierungen beantworten Lord Mouse & The Kalypso Katz nonchalant mit Songs wie "White Boy Calypso". Hier wird gegen das Klischee angesungen, dass eine Calypso-Band aus karibischen Schwarzen zu bestehen hätte. In der Musik spielen Hautfarbe und Herkunft keine Rolle. Sie machen eben einfach die Musik, die ihnen gefällt. Basta!

Und das Calypso-Fieber hatte seinerseits auch schon den großen Jazz-Saxophonisten Sonny Rollins befallen, der mit "St. Thomas" seinen karibischen Wurzeln huldigte ...und - wer hätte das gedacht - "Go Calypsonian" dachte sich wohl auch die evangelische Kirche und verewigte den Musikstil in einem Gesangbuch in Form einer Vertonung des Vaterunser, das auf einem westindischen Calypso beruht.

Lord Mouse und die Kalypso Katz haben sich seit ihrem Bestehen eine feste, stetig wachsende Fangemeinde erspielt, die sehr zahlreich auf der kürzlich gefeierten Record Release Party im Berliner Lido erschien. Vor dem Konzert gab es, bei karibischen Temperaturen, eine Grill-Party im Hof und im Anschluss das Konzert bei gefühlten 50° C im Saal - aber auch das hat die feierwilligen Fans nicht vom Tanzen und Jubeln abgehalten! ...und wer das verpasst hat, kann die Band in nächster Zeit wieder in Berlin sehen: zum Beispiel am 4.8.2013 im Strandbad Weissensee und am 10.8. im Badehaus Szimpla.