CD der Woche vom 30.09.2013 bis zum 06.10.2013

Jaqee - Yes I am

Rootdown (2013)
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von: Clemens Grün

Mit ihrem vierten Studioalbum wird Jaqueline Nakiri Nalubale, besser bekannt unter ihrem Künsternamen Jaqee, einmal mehr ihrem Ruf als musikalischem Chamäleon gerecht. Während ihr Debutalbum "Blaqalixious" 2005 sich noch hauptsächlich an Soul und R&B orientierte, kam "Nouvelle d´ amour" 2007 deutlich rockiger daher. "A Letter to Billie", ein Projekt mit der legendären schwedischen Bohuslän Big Band, war eine Hommage an die Jazzsängerin Billie Holiday, das 2009 veröffentlichte "Kokoo Girl" eine Reise zu den Wurzeln von Roots Reggae und Ska.

"Musik", sagt Jaqee, "ist wie Essen. Man möchte nicht jeden Tag dasselbe essen. So wie sich deine Stimmung sich verändert, so verändert sich auch deine Musik". Aufgewachsen im von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelten ostafrikanischen Uganda, wurde Jaqee 1990 13jährig als Flüchtling in Schweden anerkannt und lebte fortan in einem Vorort von Göteborg, wo sie Jahre später auch ihre musikalische Karriere begründete. 2009 begann die Zusammenarbeit mit dem Kölner Reggae-Produzenten Thilo "Teka" Jacks, der sich auch für das nun veröffentlichte Album verantwortlich zeichnet. Nach Jahren, in denen Jaqee praktisch aus dem Koffer lebte, gründete sie eine eigene Famile, legte eine Babypause ein und fand eine neue Heimat in Berlin. Die dreizehn Songs ihres neuen Album spiegeln nun sowohl diese umtriebigen Jahre des Übergangs, als auch die persönliche Reifung und Erdung der Künstlerin wider.

"Yes I Am" - der Titel des in Göteborg, Kingston, aber überwiegend in Jaqees neuer Wahlheimat produzierten Albums ist ein selbstbewusstes Statement, das nicht zufällig an Barack Obamas Slogan zur Präsidentschaftswahl 2008 erinnert. Teka, der schon die Wandlung des Reggae-Sängers Maxim zum Singer / Songwriter beförderte, sperrt auch Jaqee nicht in die Genre-Schublade, sondern begibt sich gemeinsam mit ihr auf die Suche nach Sounds, die ihrer erfahrungsreichen Vita entsprechen. Markante Basslinien und fröhlich-wummernde Dancehall-Beats wechseln sich ab mit rockigen Gitarren, sphärischen Streichern und energiegeladenen Afrobeat-Bläsersätzen. Gerne, so wie mit dem untypischen, aber nichtsdestoweniger kurzweiligen und radiotauglichen Duett mit der Reggae-Ikone Anthony B ("Take A Stand"), unterläuft Jaqee dabei die Erwartungshaltung des Publikums.

Während "Hero" oder die sehr persönliche, melodramatische Beziehungsgeschichte "Drop of water" an Filmmusik erinnern, wird "Dance", mit dem Jaqee, als Höhepunkt ihrer Live-Shows, die therapeutische Wirkung von Musik und Tanz beschwört, zur musikalisch wie visuell (im begleitenden Video) äußerst stylisch umgesetzten, clubtauglichen Soulnummer. Mit, Funk, Blues, Rock, Reggae, New Wave, Elektro und afrikanischem Gospel lotet Jaqee die grenzenlosen Möglichkeiten der zeitgenössischen Popmusik und das Potential ihrer kraftvollen, unverwechselbaren Soulstimme in all ihren Facetten aus.

Das eigentliche Berliner Release-Konzert findet am 4. Januar 2014 im SO36 statt. Aber schon am 18. Oktober ist Jaqee auf der Bob Marley Tribute Show im YAAM zu erleben.