Junge Wirtschafts-ReporterInnen begleiten ein Start-Up im Senegal

05.03.2016-01.10.2016

05.03.2016

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Liebe Elgin wir haben uns das Interview angehört, fanden die Idee gut und spannend, haben aber einiges nicht genau verstanden – zum Beispiel was Deine Aufgabe in Dakar ist?

Food Truck

Also die eine Aufgabe gibt es ja auch gar nicht. Denn wir sind ein kleines Team mit einer großen Idee und weil alles gerade erst losgeht, strudeln wir wild umher und versuchen all den Dingen Herr zu werden die uns jeden Tag alt und neu um die Ohren fliegen – das zum einen.
Zum anderen müssen und wollen wir natürlich doch Aufgaben verteilen. Also dann bin ich zurzeit für das Crowdfunding verantwortlich: d.h. die Kampagne mitgestalten und auf dem Laufenden halten und bewerben, die gerade online ist und mit der wir Geld einnehmen wollen, so dass wir uns einen Truck kaufen können.
Aber es fallen auch immer wieder Rechercheaufgaben an - das machen wir alle eigentlich immer.

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Und wer sind alle?

Food Truck

 

Das sind Kap und Jürgen, die beiden, die die Idee für den Food Truck in Dakar hatten und die den besten Überblick über das ganze Projekt haben.
Dann gibt es noch Mina. Sie ist Köchin der veganen Küche und denkt sich tolle Rezepte aus lokalen Produkten aus, die wir dann verkaufen können.
Und e gibt Marie, sie ist Senegalesin. Das heißt, sie kennt vor allen Dingen die senegalesischen Gerichte richtig gut und außerdem ist sie die schnellste im Gemüseschneiden.
Zum Schluss gibt es noch Anabell. Sie ist die Praktikantin des Abracadabra Food Truck Projekts und hilft überall mit, wo es gerade am meisten Not tut.

 

Wir alle hoffen, dass bald schon der erste vegetarische Food Truck auf den staubigen Pisten Dakars unterwegs sein wird. Nicht, weil wir wollen, dass alle Vegetarier werden, aber wir wollen eine fleischlose Alternative zu der derzeit fleischlastigen Küche in Dakar bieten – also kein Verzicht, sondern ein Gewinn für die gastronomische Infrastruktur vor Ort! Dafür arbeiten wir mit lokalen Landwirten, Käsemachern, Öl- und Weinproduzenten zusammen, treten mit lokalen Partnern wie Begue Coco, Sahad und dem Nataal Patchwork in Kooperation und selbst einer der derzeit angesagtesten Chefs der Senegalesischen Küche Pierre Thiam ließ sich von dem Abracadabra Konzept verzaubern:

Wir sind lokal und graben die kulinarischen Schätze Senegals neu aus, um sie auf den Teller zu bringen.

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Warum sind Fleisch und Fisch dort teuer?

Food Truck

Fleisch und Fisch sind gar nicht teuer. Ein Grund, warum eigentlich alle senegalesischen Gerichte immer Fleisch oder Fisch beinhalten. An der Küste Senegals sind viele Senegalesen Fischer und auch sonst besitzen viele einheimische Familien die eine oder andere Ziege. Die landet dann vor allen Dingen bei Festen wie Hochzeiten auf dem Teller. Also selbst wenn man nicht so reich ist, können sich die meisten Senegalesen Fleisch und Fisch leisten.
Und ja, gerade weil es so viel Fleisch und Fisch gibt, sind die vegetarischen Optionen zum Essen wirklich wenig. Wenn sie gut sind, sind die teuer, teurer als bei uns in Deutschland. Wenn sie erschwinglich sind, dann sind sie nicht so toll: z.B. Omelette mit Reis ohne Sauce.

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Warum nennt sich die Food Truck Geschichte Abracadabra und was bedeutet Abracadabra auf Wolof?

Food Truck

Abracadabra ist nicht Wolof sondern kommt aus dem Hebräischen und es bedeutet: Ich kreiere das Wort, das ich ausspreche. Und wir alle kennen doch den Zusammenhang von Hexen und Zauberern und wie sie an der Magie, die sie kreieren wollen, ein Hex-Hex, ein Simsalabim oder ein Abracadabra, dreimal schwarzer Kater dran hängen. Tja und so wollen wir das auch halten: mit einem bunten fahrenden Abracadabra wollen wir magische Gerichte auf den Teller zaubern. Etwas Neues, noch die Dagewesenes kreieren, eine Fusion der Küchen aus Senegal und der Welt – vegetarisch!

Abracadabra Food Truck – weil Magie eben auch durch den Magen geht.

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Welche Leute werden noch in Dakar gesucht und wozu? Und wie genau läuft so eine Crowdfunding-Kampagne?

Food Truck

Das geht so: Auf der Crowdfunding-Seite von Startnext kann die Crowd nochmal alles genau nachlesen: Wer wir sind, wofür wir stehen und was wir warum und in welcher Form vorhaben. Außerdem steht da drin wieviel Geld wir dafür benötigen und wie es genau ausgegeben werden soll. Also alles schön transparent – natürlich nur soweit sich das vorausplanen lässt. Auf der Seite kann man sich dann aussuchen wieviel Geld man spenden möchte und kriegt je nach Höhe der Spende ein angepasstes Dankeschön dafür: Gutscheine fürs Food Truck Mittagsmenü, T-Shirts, Mitfahrgelegenheit im Truck selbst, Gerichte mit Deinen Namen usw. Man spendet – kriegt aber auch etwas zurück. Das größte Geschenk ist natürlich der Abracadabra Food Truck selbst in Dakar! Beruhigend: da es eine all-or-nothing-Kampagne ist, geht alles Geld an die Spender zurück, für den Fall, dass das Crowdfunding scheitert.

Wir tragen Verantwortung weil wir die lokale Bevölkerung mit in den Wertschöpfungsprozess einbinden und uns als Knotenpunkt der Akteuere verstehen. Außerdem bemühen wir uns so gut es geht auch ökologisch nachhaltig zu wirtschaften.

In diesem Sinne verstehen wir uns also absolut als Sozialunternehmertum. Also ja, wir sind ein Business, aber ein Business für die Crowd – warum dann nicht auch von der Crowd finanziert?

15.03.2016

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Liebe Elgin, wir haben mitgefiebert, hoffen dass Euer Crowdfunding gelungen ist und wollen wissen – wie es Euch geht?

Food Truck

Das Crowdfund ist zu Ende und wir haben den Betrag nicht erreicht! Alles Geld geht also an die edlen Spender zurück und der erste vegetarische Food Truck Senegals überlässt die Straßen Dakars erstmal weiterhin den Bussen und Taxis. Schade Schokolade! Bitterscholokade! Denn die süße Idee hat nun einen bitteren Abgang. Wir konnten die Crowd nicht überzeugen, uns genügend Geld über Startnext zur Verfügung zu stellen, so dass wir einen Truck kaufen können, der dann mit der international-senegalesischen Küche durch die Straßen Dakars fährt. Das ist frustrierend, denn es fühlt sich wie Versagen an. Und wer versagt schon gerne? Und am schlimmsten ist es bei einem Projekt, in dem das eigene Herzblut steckt, eine Idee, an die man so sehr glaubt, mit der man sich so sehr identifiziert, dass man alles gegeben hat in den letzte Monaten. An allen Ecken und Enden haben wir mit unserem kleinen Team gekämpft. Tag und Nacht haben wir Webseiten gebastelt, uns Kampagnen ausgedacht, Leute organisiert, Sponsoren gesucht, Produkte recherchiert, Rezepte geschrieben und so viele To-Do-Listen angefertigt, dass die Listen schon wieder Listen brauchten! Ein Vollzeitjob, ohne einen Cent Bezahlung, weil man hofft, dass es sich am Ende auszahlt. Ausgezahlt hat es sich im Kopf-Öffnen, im Ideen-Schöpfen, im Mehr-Wissen und -Verstehen und in unzähligen erschöpften aber heiteren Team-Momenten. Aber ausgezahlt in Geld hat es sich leider nicht. Bleibt dasselbe Team als Trostpflaster, zum Scherben aufkehren und geteiltes Leid ist bekanntlich halbes: also durch 6!

Und dennoch grämt man sich: Wieso hat es nicht funktioniert? Die Idee war doch so gut und das Feedback fast immer enthusiastisch? Waren die Leute nicht ganz ehrlich oder doch nicht genug begeistert um zu spenden? War das Spenden über die Startnext-Plattform zu kompliziert? Waren die Dankeschöns per Spende nicht gut genug? Hätten man noch mehr recherchieren müssen? Noch mehr die Werbetrommel rühren müssen? Jeden Sponsor zum hundertsten Mal anrufen müssen? Hätte hätte Fahrradkette ...

Morgen Abend gibt‘s nen Krisenstab oder nennen wir es lieber Team-Meeting. Wir werden uns das Mango-Curry mit Kaani Cashew Kick einfach selber genehmigen und dazu eine heiße Tasse Kinkilibatee schlürfen, uns vor eine große Weiße Flipchart setzten, sie anstarren und fragen: was war los? woran lag‘s? War das jetzt das Ende? Oder ist es ein neuer Anfang?

08.04.2016

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Liebe Elgin, wir hatten Ferien, deshalb haben wir uns so lange nicht gemeldet – aber wir sind ganz neugierig! Was habt Ihr beschlossen? Gibt es einen neuen Anfang? Was hat das meeting gebracht - und wie ist denn nun die Lage vom Food Truck Projekt?

Food Truck

Hallo aus Dakar. Hier zwar ohne Ferien, aber wir haben uns nach der - sagen wir mal - Katerstimmung nach der Crowdfund Niederlage auch ein bisschen erholen können.
Unser Abracadabra Team hat sich ein paarmal zusammengesetzt und diskutiert, ob und wie es weitergehen soll. Und ich darf bereits verkünden: es geht weiter! Zwar erstmal ohne Truck, denn dafür fehlt nach wie vor das liebe Geld. Aber wir hoffen, in nicht allzu ferner Zukunft doch noch auf 4 Rädern – voll beladen mit gutem Essen – über die sandigen Pisten Dakars zu rollen.
Wir alle sind nach wie vor von unserer Idee überzeugt – ich würde behaupten, die meisten sind sogar richtig verliebt in unser Projekt: und wer verliebt ist, der darf bei der ersten Abfuhr doch nicht gleich aufgeben oder? Also wir „flirten“ heftig weiter, mit dem guten lokalen vegetarischem Essen im Senegal und hoffen, langsam aber nachhaltig wird man sich auch in uns verlieben :)

11.04.2016

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Klingt lustig- aber sag trotzdem nochmal: was lief denn jetzt schief beim Crowdfund? Kann man daraus was lernen?

Food Truck

Oh - gleich 2 Fragen, erstmal die eine: was lief eigentlich schief? Ich versuch mal zusammenzufassen: Die Idee vom vegetarischen Food Truck ist hier im Senegal ziemlich neu. Es gibt also einerseits Neugier, aber auch Skepsis bei den Menschen. Viele haben sich gewundert, wer wir sind und was das ist und ob wir das auch wirklich können? Wir haben beschlossen: wir müssen uns erstmal einen Namen machen und den Leuten durch Präsenz und Events zeigen, was es mit dem Abracadabra Projekt eigentlich alles auf sich hat! Also Vertrauen schaffen – Vertrauen in unsere Kompetenz und in die wirklich gute Idee!
Dann gab es auch Schwierigkeiten beim Crowdfunding als Finanzierungsmöglichkeit: wir haben die deutsche Plattform Startnext ausgewählt, weil für uns genügend gute Gründe dafür sprachen. Am Ende wollten wir aber ja hauptsächlich französisch sprechendes Publikum erreichen (im Senegal ist Französisch Amtssprache und die Bande zu Frankreich und dementsprechend Franzosen ist groß!) bzw. in Afrika lebende Personen und es stellte sich am Ende heraus, dass es für unser eben beschriebenes Zielpublikum so einige bürokratische Hürden bis Unmöglichkeiten gab, die deutsche Plattform für ihre Spenden zu nutzen.
Dann konnten wir wohl einigen Leuten nicht klar genug machen, dass wir, obwohl wir ein Business sind und - deshalb am Ende auch Geld verdienen wollen, wir uns aber als ein Sozialunternehmertum verstehen. Das heisst, wir sind zwar überwiegend „Westler“ , aber keine, die die einheimische Bevölkerung ausbeuten will (auch in diese Richtung gabs kritische Stimmen!). Sondern wir sind wir, mit einer Idee, mit dem Knowhow und Projektmanagmentskills und - Erfahrung. Wir wollen die lokalen Akteure vor Ort mit in den Wertschöpfungsprozess einbinden, weil wir sie brauchen und wir hoffentlich – oder „Inschallah“ wie man hier im Senegal sagt - Jobs und Einkommen und ein stückweit Sicherheit und Nachhaltigkeit für uns alle zusammen schaffen!
Ja also, das sind einige Gründe, die im Gespräch mit vielen Leuten zu Tage gekommen sind. Und so sind wir auch zu dem Schluss gekommen, dass es nicht so ist, dass die Idee vom vegetarischen Food Truck nicht genug ist und deswegen gescheitert ist, sondern vielleicht

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Vor ein paar Tagen meintest Du „es geht weiter“ und das heisst jetzt also das Food Truck Projekt geht ohne Truck weiter?

Food Truck

Ja also meine Oma hat immer zu mir gesagt: Tür zu - Tür auf! Also wenn die eine Tür vor Deiner Nase zugeht, dann schiebt sich irgendwo anders eine andere Tür auf. Und so ist das gefühlt auch beim Foodtruck: Crowdfund nicht geklappt – bedeutet Tür zu für den Truck, aber in der selben Zeit haben wir so viel gelernt und Information rangeschafft und Leute getroffen und Kontakte geknüpft, dass sich aus dem Mangel wieder neue Ideen und Konzepte entwickeln konnten – Not macht erfinderisch oder?
Zum Beispiel haben wir jetzt ganz klein angefangen: Catering bei Freunden, die dann noch mehr Freunde und Bekannte eingeladen haben. Einfach mal vorkochen, beisammen sitzen, dass Konzept erklären und testen, konstruktive Kritik üben und noch mehr Ideen zusammenbringen! Vom Crowd-funding zum Crowd-thinking – oder Schwarmintelligenz sagt man doch auch?!
Aus den kleinen Caterings wurden dann weitere Caterings, erst bei „einfach nur Fremden“ dann auch bei der „wichtigen“ Gesellschaft – also Direktoren und Vorstände von großen Organisationen. Weil Dakar nämlich die Hauptstadt vom Senegal ist, gibt es davon ganz schön viele vor Ort. Und am Ende müssen wir ja alle erreichen: die kleine Crowd wie Dich und mich, die so viel Geld in der Tasche haben, dass sie mal in ein Mittagsessen gönnen und die gute Idee an ihre Freunde weitererzählen und auch die größere Crowd mit mehr Geld und Einfluss, die bereit wären, über das eine Mittagsessen hinaus Geld in uns zu investieren.

Dann gibt es jeden Monat einen Markt der lokalen Akteure in Les Almedies und dort sind wir mittlerweile auch vetreten. Das ist besonders gut, weil es ein so schöner und vor allem öffentlicher Ort ist (beim Catering verschwindet man ja leider hinter Hauswänden) und uns dort besonders viele Menschen finden können. Darüber hinaus haben wir angefangen Filmabende zu organisieren – natürlich mit einem Abracadabramenü. Und jetzt im Mai gibt ein es riesen großes Kunstfestival in Dakar , die DAK`ART und da feilen wir gerade an Plänen mit einem Pop-Up-Stand aufzutischen.

Ihr lest also: es gibt soooo viiieeellle Möglichkeiten seine Ideen am Ende unterzubringen. Anders als gedacht, deswegen aber nicht weniger gut :)
Also dann: stay tuned, we keep on trucking!

04.05.2016

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Wie wisst Ihr eigentlich, was Ihr aus den vielen fremden Produkten in einem fremden Land alles kochen könnt?

Food Truck

Also erstmal kennen wir ja einige der fremden Produkte Senegals auch aus den Berliner Supermarktregalen: z.B. Kokonüsse, Mangos und Ananas … und das was in Berlin exotisch ist, ist hier im Senegal eben einheimisch und kommt dementsprechend besonders gerne in unsere Töpfe! Und wer sich von Euch fürs Kochen interessiert oder einfach nur gerne exotisch essen geht, der hat vielleicht auch schon mal was von Curry mit Kokonussmilch gehört oder einen scharfen Salat mit Mango darin beim Thailänder gegessen? Da kommen die ersten Ideen her. Aber dann gibt es auch Produkte wie die Kinkilibablätter oder die Korassolfrucht, den Cashewapfel und die Bissapblüten - was machen wir mit denen? Dafür haben wir Kochbücher der senegalesischen Küche durchwälzt, im Internet nach Senegals landwirtschaftlichen Schätzen recherchiert, unser senegalesisches Teammitglied Marie ausgefragt und uns durch die Dakar´sche Küche gegessen, geschmeckt und gerochen! Hier muss ich vor allem 2 Abracadabra-Damen erwähnen. Zum einen Mina Fuhr, die schon viele Jahre in Dakar lebt und weil sie Veganerin ist, sich besonders gut in der fleisch – bzw. komplett tierlosen Küche auskennt. Sie hat sich z.B. das Rezept für einen himmlisch erfrischen Korassolfruchtpudding überlegt, oben drauf mit einem Klecks Erdnussmuss mit Kokoscreme aufgeschlagen - mmmmhhhh ! Und dann war letztens die Alexandra aus Griechenland zu Besuch. Alex ist Köchin in einem vegetarischen Restaurant und hat z.B. Brot aus Mais- und Hirsemehl gebacken und das mit einem Avocado-Wasabi-Dip serviert – auch ein lecker lecker lecker!

Und am aller wichtigsten: egal ob man nun professioneller Koch ist oder nicht oder schon ganz viel Erfahrung im Kochen hat oder nicht: es lohnt sich immer ein wenig Mut zu Neuem & Unbekannten zu haben! Ausprobieren! Und ein bisschen Improvisieren! Wie im Leben, so auch in der Küche.

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Wenn die senegalesische Küche und Gerichte so anders sind, mögen die Senegalesen Eure Gerichte dann überhaupt?

Food Truck

Also wenn man den Senegalesen sagt, wir kochen vegetarisch, dann sind viele sofort skeptisch! Ein Gericht ohne Fleisch oder Fisch? Das gibt es im Senegal kaum und stößt auf keine große Begeisterung. Aber wenn man dann erklärt, dass wir keinen bekehren wollen, sondern nur eine Alternative zu Fleisch bieten und außerdem die einheimischen Produkte ihres Landes verkochen wollen, dann finden das doch viele richtig gut und sagen, sie werden aufjedenfall kosten. Und das hat auch immer ganz gut geklappt auf den Events, wo wir mit unseren vegetarischen Menues aufgekreuzt sind.

Aber auch ganz wichtig: wir haben ja gottseidank die senegalesische Marie mit an Bord und die arbeitet in einem kleinen Straßenrestaurant in Dakar und kennt die lokale Küche dementsprechend gut. Und es passiert nicht selten, dass wir schon in die Hände klatschen, weil wir das Gericht als gut gewürzt empfinden, Marie aber noch die Nase rümpft, weil es ihr so richtig scharf viel besser schmecken würde – so scharf, dass wir schon Feuer spucken! Oder als wir uns an die vegetarische Version eines typisch senegalesischen Gerichts wagten: Mafé; das ist Reis mit Erdnusssauce und einem Stueck Rind mit drin. Kap und Juergen ruehrten bereits um die Wette, aber Maries Gesicht blieb unbeeindruckt, bis sie es dann irgendwann gemeinsam versuchten und dann waren beide Seiten zufrieden – dementsprechend auch das senegalesische und nicht senegalesische Publikum beim nächsten Catering.

Teamwork, um das Beste aus 2 Welten zusammenbringen! Globalisierung in der Küche!

17.06.2016

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Hallo Elgin! Wir haben hier in Berlin in einem Seminar einiges über Startup Unternehmen gelernt. Wir haben festgestellt, dass viele Startups es nicht schaffen. Mehr als die Hälfte der Gründer leiden unter der Einführung des Mindestlohns. Und die Arbeiter sind oft nicht so zufrieden mit den Bedingungen. Wie ist das im Senegal?

Food Truck

Hallo zurück!

Nach meinem Wissensstand gibt es den Mindestlohn im Senegal gar nicht – und falls doch, dann hat er uns bei Abracadabra zumindest noch nicht tangiert. Wieso nicht? Weil wir noch gar nicht so weit sind :)

Klar, als die Idee los ging und die Crowdfunding Campagne für den Food Truck lief, da haben wir uns natuerlich auch den Kopf über viele Dinge zerbrochen: was für einen legalen Status werden wir dann haben? Welche bürokratischen Hürden sind im Senegal zu nehmen? Wie gewährleisten wir die Rentabilität von unserem Business und bleiben fair - uns und anderen gegenüber?

Aber wie Ihr ja bereits wisst, ist aus dem Crowdfund im Maerz nichts geworden. Das heisst den Food Truck gibt es (noch) nicht. Trotzdem sind wir mit dem Abracadabra Konzept des guten lokalen vegetarischen Essens in Dakar unterwegs: auf Märkten, machen Caterings etc. Und ja da verdienen wir auch schon etwas und machen mal mehr, mal weniger Gewinn. Aber das allerwichtigste hier ist: wir testen jetzt erstmal unsere Idee! Man könnte das auch Marktforschung nennen :) Denn nur weil man selber denkt, man hat eine so gute Idee, dass man gleich ein Start Up gründen sollte, heisst das ja nicht, dass der Markt das auch denkt. Daran scheitern im übrigen noch mehr Startups als am fehlenden Kapital: weil es am Ende gar kein Bedarf für das Produkt gibt!

Rückblickend ist es vielleicht also ein Segen, dass das Crowdfund in die Hose ging. So wurden wir nämlich rechzeitig dazu gezwungen, uns mit dem Produkttesten zu beschäftigen, um zu wissen: wollen die Leute unser Produkt überhaupt? Und wenn ja in welcher Form? Und wenn nein, was kann man anders gestalten?

Und was den (Mindest-)Lohn und die Zufriedenheit der Arbeiter angeht, da kommt uns wohl zu Gute, dass wir derzeit noch ein ganz kleines Team sind und dazu gut befreundet und wir uns deshalb vertrauen. Wir haben vorab und auch immer wieder zwischendurch in vielen Meetings offen und transparent disskutiert, was wir leisten können und wollen und was wir voneinander erwarten. Wenn es Gewinne gibt, dann werden die fair durch alle Mitarbeiter geteilt, wobei die beiden Gründer Kap & Jürgen noch einige Prozent extra zurueck halten dürfen, um es in weitere Küchen-Infrastruktur zu stecken. Es gibt Teammitglieder die regelmäßig bezahlt werden, zB Marie, die derzeit alleinziehende Mama von 2 Töchtern ist und es gibt finanzstärkere Mitglieder, die nebenbei noch einen anderen Job haben und deshalb auf einen freiwilligen Anteil vom Gewinn verzichten, um den Aufbau vom Start Up so finanziell zu unterstützen. Außerdem sind wir derzeit noch kein 40Std Betrieb, sondern sind eher sporadisch auf Events unterwegs, was den Arbeitsaufwand überschaubar macht.

Wir wachsen noch. Langsam und bedacht und deswegen hoffentlich auch nachhaltig. Und dann hoffe ich, dass die Arbeiter zufrieden bleiben, auch wenn es dann mal mehr werden und keine Freunde mehr sind und wenn es den Mindestlohn wirklich noch nicht gibt im Senegal, wir ihn bei Abracadabra miterfinden werden.

Wie sagt man hier im Senegal so schön: Inschallah .

10.08.2016

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Es ist August! Wir hatten Sommerferien und haben uns vom Schulstress erholt . Wie ist das denn bei Abracadabra? Kann ein Startup im Aufbau auch Sommerpause machen?

Food Truck

Ich nehme an, gemessen am Stresspegel in so einer Startup Phase könnten zumindest alle Startups Sommerferien zum Erholen gut gebrauchen. Aber wie der Name schon sagt: man startet ja gerade erst eine Geschäftsidee und muss erstmal viel Zeit und Ressourcen investieren, um möglichst sicher zu gehen, dass es ein nachhaltiges Geschäftsmodell wird: ein gutes Produkt oder Service anbietet, genügend Kunden akquiriert, dementsprechend Gewinne macht und da steckt eine Menge Know How drin, Erfahrung durch Trials & Errors etc.

Kurzum: am Ende können sich wohl die wenigsten Startups in so einer Aufbau-Phase eine Sommerpause tatsächlich leisten.

Das Abracadabrateam hat das trotzdem gemacht :)

Das ist so, weil unsere Kunden derzeit hauptsächlich die sogenannten Expats sind. Expat kommt von Expatriate und bezeichnet in der Regel die Nicht-Einheimischen, die in einem Land für 1-5 Jahre arbeiten. Und in Dakar gibt es viele davon und wir im Abrateam sind auch einige Expats, also in dem Fall Nicht-Senegalesen, die im Senegal arbeiten. Viele Expats weltweit haben auch Sommerpause zwischen Juli und August, weil es da – Schulsystem bedingt –auf der ganzen Welt Sommerferien gibt, also viele Menschen mit ihren Familien Sommerurlaub machen wollen. Das heisst, dass in vielen Wirtschaftszweigen, politischen Insititutionen und NGO s (en: Nichtregierungsorganisation) im Sommer eben nicht viel arbeitsmaessig los ist. Das ist auch in Dakar der Fall und so gibt es eben nicht viel Kundschaft für unser Abracadabra-Food-Business zwischen Juli und August. Also sind auch viele von uns – genau so wie die Expat Kundschaft – in die Heimat oder in den Sommerurlaub gereist!

Aber im September geht es weiter! Mit einer richtig coolen Idee für die richtig heissen Tage!

04.09.2016

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Hallo Abracadabra! Seid Ihr schon wieder im Senegal? Was ist die coole Idee für heiße Tage, die Ihr beim letzten Mal erwähnt habt? In Berlin war es auch ganz schön warm ...

Food Truck

 

Fotocredits: Jürgen Fauth
Auch so warm wie hier bei uns in Dakar: 32°C? Dazu ist es so schwül! Wir befinden uns nämlich gerade mitten in der Regenzeit. Das heisst, wenns einmal runterkübelt, braucht man nicht mal mehr nen Regenschirm aufzuspannen weil der kann den Himmelsguss sowieso nicht abwenden ;) Am besten unterstellen, abwarten und Tee trinken – obwohl hier wärs eher Kaffee Touba trinken: Der heilige Kaffee des Amadou Bamba. Da ist ein Gewürztee mit gaaanz viel Zucker und total beliebt im Senegal!

 

Aber wir essen doch viel lieber Eis wenns heiss ist oder? Das ist auch die eiskalte Überraschung von Abracadabra diesen Sommer: es gibt jetzt Snow Cone Eis bei uns! Das ist gekratztes Wassereis in einer Papiertüte und dann oben drauf Sirup nach Wahl. Das kann man dann abknuspern oder löffeln oder trinken. 3 2 1 lecker und so maximal erfrischend bei der Hitze! Und wenn Ihr denkt das kommt aus den USA, dann lasst Euch sagen: die Snow Cone Idee kommt aus Japan! Genau so wie unsere mechanisch-hanbetriebene Maschine :) Natürlich gibt es bei uns vor allem lokale Sirups aufs Wassereis: Bissap (das ist Hibikusblüte) und Buy (Affenbrotfrucht), Corossol (Stachelannone), Kinkiliba (Tigerbusch), Mango, Ananas etc. Und am besten geht der Bissap Sirup! Aber wir starten ja gerade erst mit den Snow Cones, also gibt es natürlich noch viel auszuprobieren. Welche Sirups kann man hier kaufen? Welche Aromen kann man gut mixen? Welche neu erfinden? Apropos: da experimentiert der Jürgen gerade an einem neuen Kaffee Flavour rum! In was man nicht auf einmal alles Experte werden kann?! Dann noch: mit welchen Partnern können wir kooperieren? Wo gibt es ein schattiges Plätzchen, wo wir uns mit der Snow Cone Eismaschine hinstellen können? Wir waren zB schon an der International School of Dakar und auch auf dem Marché ASD Dakar. Klar die Kids lieben das bunte Eis sofort, aber so mancher Senegalese wusste erst mal gar nicht, was los ist. Dann gabs ein Snow Cone zum probieren und nach jedem neuem drüber schlecken, wurde das Grinsen größer! Auch die Tatsache, dass wir lokale Sirups nutzen und mit lokalen Partnern kooperieren findet schnell Anklang. Außerdem haben viele Kunden auch tolle neue Ideen: zB könnte man Kokosnusswasser oder – milch einfrieren und daraus das Eis für die Snow Cones kratzen? Wir wissen es auch noch nicht, aber wir werden es aufjedenfall ausprobieren!

Ich glaub ich ruf jetzt mal direkt bei unserem Partner Bégué Coco an und bestellt ein paar Kokosnüsse!

21.09.2016

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Auf Eurer Abradakar Webseite steht, dass Ihr ein umweltverträgliches Business sein wollt . Wie schafft Ihr es wenig Müll zu produzieren?

Food Truck
Fotocredits: Jürgen Fauth

Wenig Müll zu produzieren ist aufjedenfall nicht einfach. Das fängt beim Einkauf der Lebensmittel an. Alles was geht kaufen wir derzeit auf dem Markt in Ngor ein. Es ist (leider) üblich alles in Plastik einzutüten, aber wir haben immer die Rucksäcke und den Jutesack dabei. Manche Sachen kriegen wir aber z.B. nur aus Supermärkten und da fällt dann eben doch Papier- oder Plastikverpackung an. Zum Transport von A nach B packen wir alles in große Tupperwaren, Töpfe und Co und bringen es zu den verschiedenen Locations. Wenn die Location ein Catering ist, z.B. bei Privatpersonen, dann können wir ihr Geschirr nutzen und auch die Küche zum späteren Spülen. Solche Events sind in der Regel aber kleiner, also nicht über 30 Personen und somit überschaubar. Wenn die Location aber ein Markt ist, dann sind das schon eher 200 Kunden und das könnte man selbst bei gutem Willen nicht mit Tellern und Abwaschen hinkriegen. Außerdem ist auf dem Markt natürlich das sogenannte Laufpublikum, also die ihre Speise to go wollen und dann weg sind. Hier kann es schon mal praktisch sein Fingefood anzubieten, so dass das Besteck wegfällt. Bzw die Senegalesen essen traditionell ja eh mit den Händen und dann zu vielen von einem großen Teller, das spart also natürlicherweise schon einiges ein :) Aber selbst unsere 3 Makirollen mit Tamarindensauce brauchen einen tragbaren Untersatz: einen essbaren Teller (wie die Pommesschalen in unseren Freibädern? Als Schüssel gebackenes crispy Tortilla Brot?)? Bananen- oder andere lokale Blätter wie in Asien? ... beim letzten Event hatten wir es mal mit ausgehöhlten Orangenhälften versucht - sah echt schick aus! Leider sind die aber ziemlich schnell trocken geworden und unansehnlich verschrumpelt - und nach einmaligen Nutzen mussten sie doch in die Tonne. Das hat uns aber auf die Idee gebracht es mit halben Kokosnusschalen zu versuchen - und wir haben ja schliesslich eh schon unserem Partner Bégué Coco mit an Bord, die (fast) nichts anderes tun, als Kokonüsse aufknacken. Wie könnten deren Müll als unsere Teller für Mangocurry und Gurken-Ananas-Suppe nutzen? Wenn das klappt, dann wäre es jedenfalls eine sehr gute Schnittstelle - 2 Fliegen mit einer Klappe!

Fotocredits: Jürgen Fauth

Aber noch ist der Sommer heiss und die Nächte schwül und die Moskitos hungrig - und alles an was das vebrannte Hirn denken kann ist Eis; Eis, das wie Schnee aussieht und nach Bissap und Corossol schmeckt und einem Cone serviert wird <3

01.10.2016

Food Truck

Ich bin wieder zurueck in Berlin! Das war im Senegal echt zu heiss! Obwohl ich jetzt denke, meine Güte der Oktober in Berlin ist aber echt zu kalt! Aber egal, nach so vielen Monaten Exotik und Abenteuer und Moskitobissen, tut es meinem Deutschen Gemüt auch wieder gut in den eigenen Gefilden und Kulturkreisen zu sein! Wie sagte eine Freundin unlängst zu mir: sich wieder mit der eigenen Welt verbinden :) Das mach ich jetzt! Trotzdem trag ich mein Abracadabra Food Truck Team natürlich ständig in Kopf und Herz mit mir rum und bin ganz aufmerksam bei der Berliner Streetfood und Food Trucks und neuen interessanten Entdeckungen zur Fusion-Cuisine, Anti-Waste-Verpackungen und Co! Weil:

Machen wir es wie die Zugvögel: das Beste aus dem Norden und Süden verbinden! (Zitat aus dem Film The great Idea of Binta)

Also dann: Hallo Berlin & Ba beenen yon Dakar – das heisst bis zum nächsten mal auf Wolof!

Ihr dürft das Abra-Projekt aber trotzdem gerne weiter verfolgen, auf:
http://www.abradakar.com/
https://www.facebook.com/abradakar