Auf den Spuren deutscher Hörfunkgeschichte

multicult.fm Specials | 02.01.2020

Auf den Spuren deutscher Hörfunkgeschichte – Funkhaus Tour in der Nalepastrasse

Fotos: A. Kabisch, B. Gabrin

Funkhaustour in der Nalepastrasse

Das Symbol des Eisernen Vorhangs der im Kalten Krieg Europa teilte, war die Berliner Mauer.

Mit ihrem Fall 1989, geht für viele ein Traum in Erfüllung aber Millionen deutsche Ost- und West Bürger*innen stehen plötzlich auch vor der großen Herausforderung der Wiedervereinigung.

Die DDR wird mehrheitlich auf das westdeutsche System angepasst und das Zusammenwachsen stellt sich als langwieriger Prozess heraus, der seine Opfer verlangt. Wirtschafts-, aber auch Kulturgüter der DDR werden durch westdeutsches Angebot verdrängt oder ersetzt und geraten in Vergessenheit.

Ein Paradebeispiel dieses schwierigen Transformationsprozesses findet sich in der Radiogeschichte: Das Funkhaus Berlin in der Nalepastraße in Oberschöneweide war das Zuhause von Deutschlandsender, Berliner Rundfunk und Radio DDR 1. Sie sendeten aus einem der größten und besten Aufnahmestudios der Welt - ein Prestigeprojekt ostdeutscher Ingenieurskunst, in dem viele Musikgrößen ihre Alben aufgenommen hatten.

Das Areal an der Spree glich einer „kleinen Stadt in der Stadt“ mit tausenden Mitarbeiter*innen, die nicht nur in den Studios tätig waren, sondern auch in Kantinen, der Milchbar, der Poliklinik, der Sauna, den kleinen Buch- und Lebensmittelläden, in der Sparkasse, in der Poststelle oder beim Friseur.

Nach dem Mauerfall fanden die Sender ihre neue Zentrale in Potsdam - das Funkhaus Berlin fiel in einen Dornröschenschlaf.

Die Eigentümer - Berlin und die fünf neuen Bundesländer - ließen es zur „Nachwende-Geisterstadt“ werden. Sie verkauften die gesamten Immobilie für 350.000 € an ein Baumaschinenunternehmen - der Verkehrswert war auf 30 Millionen Euro geschätzt worden.

Die Sendung beschreibt in einer Zeitreise die Auf und Abs und die „Rettung“ des Funkhauskomplexes, denn zum Glück wird das Aufnahmestudio Eins heute wieder als europäisches Hörfunk-Juwel geschätzt.

Moderatorin Daniela Schmidt und Tontechniker Johann Ostertag begleiten uns in einer auditiven Funkhaustour durch die Schicksalsjahre des ehemaligen Machtzentrums des DDR-Hörfunks.