Der Verfall des öffentlichen Lebens

Kontrapunkt | 19.02.2017

Kontrapunkt

Der Verfall des öffentlichen Lebens – ein Beispiel, wie man ihn aufhält: Die Hausbesetzer-Szene.

In den letzten Jahrzehnten konnten wir überall in der westlichen Welt beobachten, wie öffentliche Räume, in denen Menschen zwanglos zusammen- und ins Gespräch kamen, oder in denen sie das eine oder andere für alle nützliche oder ästhetische Projekt verfolgten – dass diese Räume schrumpften, vereinnahmt wurden und fast nur noch im Verbund mit kommerziellen Interessen – also Privatinteressen – als öffentliche Räume gelten. Eine Parkbank sucht man am Potsdamer Platz vergeblich, auch auf dem Kurfürstendamm – im Gegensatz ausgerechnet zum Broadway z.B., auf dessen Mittelstreifen an jeder Ecke Bänke stehen, auf denen Menschen sich sonnen, sich begegnen, Schach spielen oder musizieren.

Es war einmal – auch in Deutschland. Da eroberten sich Menschen solche Räume – z.B. indem sie einfach leerstehende Häuser besetzten. Und in diesen jene Öffentlichkeiten, jene gemeinsamen (oft im Wortsinn) Spiel-Räume schufen, jene demokratischen Erfahrungsräume, die die Gesellschaft – zugunsten privater Verwertungsinteressen – Stück für Stück zerstörte. Konservative im besten Sinne also, die bewahren wollten, was zerfiel, materiell und ja, 'spirituell', im Sinne der heute vielbeschworenen Wertegemeinschaft. Idealistisch und pragmatisch zugleich war dieser Ansatz, schreiben die Autoren und Herausgeber eines Buches über dieses Milieu im Vierteljahrhundert zwischen 1970 und 1995.

Eine von ihnen haben wir eingeladen: Barbara Sichtermann, Publizistin sei einem halben Jahrhundert – rund zwei Dutzend Bücher und zahllose Essays haben sie bekannt gemacht. Gemeinsam mit ihrem Bruder Kai, dem Bassisten der legendären Band Ton, Steine, Scherben, hat sie den gerade im Aufbau-Verlag erschienenen Band „Das ist unser Haus“ veröffentlicht.

Mit ihr im Studio Sema Binia, die schon in der DDR in der Hausbesetzer-Szene aktiv war und in diesem Band sehr nachdrücklich auf die unterschiedlichen Motive unter anderen Bedingungen verweist. Sie ist heute Mitarbeiterin der Berliner Geschichtswerkstatt.

Und Johan de Blank, dessen farbenfroher Lebenslauf ein eigenes Buch füllen würde, und der u.a. eine Art Literarischen Salon im Kant Kino in Berlin gegründet hat und erfolgreich leitet. Dort wird das Buch am 21.2. 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit Eike Gebhardt