Sendebeginn des interkulturellen Online-Radios multicult2.0 am 31. Dezember 2008

30.12.2008

Sehr geehrte Kolleginnen,
sehr geehrte Kollegen,

am 31. Dezember 2008 geht das neue interkulturelle Radioprogramm MultiCult2.0 auf Sendung. Sendebeginn des Online-Radios ist um 22:05 Uhr. In dieser Minute schaltet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nach 14 Jahren seine Integrationswelle radiomultikulti ab, und auf der Frequenz sendet der WDR sein Programm Funkhaus Europa. Wir Programmmacher von MultiCult2.0 sind ein multikulturelles Team von Journalisten, die dem breiten Protest gegen die Schließung von radiomultikulti eine positive Richtung geben wollen. Als zweitgrößter Medienstandort Deutschlands und als Hauptstadtregion braucht Berlin-Brandenburg ein multikulturelles Medium, das alle ethnischen Gruppen anspricht und verbindet. Immerhin wohnen hier Menschen aus 180 Nationen. Den jüngsten Zahlen zufolge besteht Berlins Bevölkerung zu über einem Viertel aus Migrantinnen und Migranten. Bei den Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren liegt der Anteil sogar bei 42,7 Prozent. Dieses Hörerpotential ist unsere zentrale Zielgruppe. Wir wollen ihr und allen Weltbürgern in der Region etwas Verbindendes geben: ein Programm, das bunt, aktuell, kritisch und politisch ist, mit einer unverwechselbaren Musikfarbe.

Wir wollen auch Politik und Wirtschaft Impulse geben. Berlin und Brandenburg spüren bereits den angesichts des demografischen Wandels beginnenden Fachkräftemangel. Zuwanderung und wirksame Integration der Migranten sind von strategischer Bedeutung für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Radiomultikulti verfügte wie kein anderes Radio über ein globales Netzwerk von Vietnam bis Argentinien. Diese medialen Brücken wollen wir erhalten und weiter ausbauen.

Mittel- und langfristig verfolgen wir das Ziel, einen Sendeplatz in der Berlin-Brandenburger Radiolandschaft zu bekommen. Zunächst wird MultiCult2.0 aber nur online zu hören sein. In der Anfangsphase werden wir unser Wortprogramm ab 16 Uhr mit einer aktuellen Sendung beginnen. Eine Hauptstütze des Programms werden Autorensendungen mit der bewährten Musikfarbe von radiomultikulti world wide music sein - präsentiert von bekannten und beliebten Moderatoren unseres ehemaligen Senders. Auch einige Fremdsprachen werden weiterbestehen. Aber nicht wie bei radiomultikulti getrennt vom deutsch-sprachigen Programm, sondern integriert.

Wir werden uns vom bisherigen Verständnis communitybezogener Radioprogramme für Minderheiten lösen. Die erfolgreichen multikulturellen Metropolen und Regionen der Welt sind längst in der postmigrantischen Gesellschaft angekommen. Auch in unserer Region ist die Gesellschaft in großen Teilen weiter als die politische Debatte. Das wird unsere Programmstrategie aufnehmen. Unsere wachsende Zielgruppe lebt täglich mit einem Potpourri an Sprachen und Kulturen: Bunt, lebendig, dynamisch und aktiviert. Viel interkultureller, als man es bisher in den gewohnten Sendeformaten und Themenverpackungen wiederfindet. Wir setzen uns zum Ziel, genau das zu spiegeln.

Dieser Anspruch erfordert eine andere Programmstrategie, als das Programm radiomultikulti des RBB sie hatte. Wir wollen Programmfenster für Kiezprojekte von Wedding bis Marzahn und von Prenzlau bis Spremberg einrichten, in denen Jugendliche ihre Musik oder ehrenamtlich Tätige ihre Projekte vorstellen können. MultiCult2.0 soll ein interaktives Mit-Mach-Radio werden, neue Formate entwickeln und Synergien zwischen klassischen Rundfunk und den Möglichkeiten eines portalgestützten Internetradios erschließen.

Wir haben ambitionierte Ziele und bringen aus langjähriger beruflicher Tätigkeit wie unseren eigenen, ganz privaten migrantischen Lebenserfahrungen die notwendigen Kompetenz mit. Wir haben mit Prof. Dr. Klaus J. Bade einen renommierten Migrationswissenschaftler als unseren Namenspaten und Förderer gewonnen. Wir sehen uns täglich stärker unterstützt von Politik und Wirtschaft aus Berlin und Brandenburg. Dazu kommt der schier unerschöpfliche Zuspruch von unseren bisherigen Hörern. Wir sind auch sicher, dass Berlin und Brandenburg, einerseits mit all den Gegensätzen zwischen Metropole und flachem Land, andererseits aber mit seiner Stärke als dynamischster Medienstandort Deutschlands und an der Grenze zu Mittel- und Osteuropa, hier eine große Chance hat, wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen.

Radiosender aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus verschiedenen Ländern weltweit stellen uns kostenlos Musikprogramme in Schaltsendungen oder als Übernahme zur Verfügung. Was - noch - fehlt, sind Zeit und Geld und eine terrestrische Frequenz. Wir werden deshalb so bescheiden anfangen, wie das unsere privaten Mittel zulassen.
Aber in der Größe der Herausforderung liegt auch eine Chance, die man sehen muss: Sie liegt in der kreativen Verknüpfung von analogen und digitalen Formaten, einem herkömmlichen Radio, das intensiv verschnitten wird mit Internetinhalten, das stärker auf den Dialog mit dem Hörer setzt, statt ihn nur zu beschallen, das ihn mitwirken und mit gestalten lässt, das ihn einbezieht und nicht ausgrenzt. Das alles steckt im Namen MultiCult2.0.

MultiCult2.0 hören Sie ab 31. Dezember 2008 um 22:05 Uhr auf der Internetseite
www.multicult20.de.

Viel Vergnügen beim Hören wünscht
Das Team von MultiCult2.0

 

Struktur und Inhalt von MultiCult2.0 - die nächsten Schritte

Der Warmstart zu Silvester

Vieles ist noch in Bewegung, aber die Richtung steht fest. Zunächst war wichtig, keine Sekunde ungenutzt verstreichen zu lassen. Zeitgleich mit dem Abschalten von radiomultikulti gehen wir online. Radio MultiCult2.0 wird ab 31. Dezember 2008 um 22.05 Uhr unter www.multicult20.de und www.multicult.eu zu erreichen sein. Gesendet wird die ersten Tage und Wochen überwiegend vom Tatort unserer Get Connected-Silvester-Party, also aus der

Galerie für Afrikanische Kunst Listros e. V.
in der Kurfürstenstraße 33, 10785 Berlin,
U2 Bülowstrasse oder U1 / U15 Kurfürstenstrasse

Strukturentscheidungen im Januar

Im Laufe des Januars soll das zur Zeit noch informelle Bündnis hinter MultiCult2.0, bestehend aus Radiomachern, Freundeskreis, Förderern und Vertretern der regionalen Kreativ- und Musikwirtschaft in die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft münden. Leitung und Gesamtkoordination liegen bei Projektinitiatorin Brigitta Gabrin. Im Vielvölkerstaat Rumänien dreisprachig aufgewachsen, hat die Diplompsychologin in jahrelanger journalistischer Arbeit in Funk- und Printmedien die Feinheiten des interkulturellenJournalismus erlernt und das nötige Know-how für den Balanceakt zwischen der Mehrheits-und der Minderheitengesellschaften erworben.
Für die geplante Gesellschaft streben wir den Status der Gemeinnützigkeit an. Dies folgt aus unserem Anspruch, ein regionales Integrationsradio zu machen, dass sich am Gemeinwohl orientiert und nicht primär kommerziellen Interessen folgt. Wir sind optimistisch, dass wir zumindest für Teile des Programms und der Projekte Unterstützung durch öffentliche Fördermittel erhalten.

Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines interkulturellen Multimediazentrums,

  • das neue Inhalte und Formate für Radio, Fernsehen und Internet entwickelt,
  • produziert und sendet,
  • das Zulieferer auch an überregionale Fernseh-und Hörfunksender ist,
  • das Projekte zur Förderung von Medienkompetenz in den Kiezen Berlins
  • und Regionen Brandenburg initiiert und betreut.

Inhaltliche Orientierungen

Die intelligente Verbindung von analogem Rundfunk mit den Möglichkeiten des digitalen Webradios mit Internetportal öffnet mehrere Optionen. Infotipps zu Veranstaltungen in der Stadt oder zu aktuellen Sendungen können im Internetportal in einer intensivierten Gorm angeboten werden. Rubriken wie DVD der Woche von dem WDR-Reporter Murat Koyuncu können im Internet weitergeführt werden: Weiterführende Links zu Filmkritiken und anderen ähnlichen Filmen werden von den Online-Redakteuren bereitgestellt. Chatforen sollen systematisch mit den ausgestrahlten Sendungen verknüpft werden. Die Menschen können mit ihren Lieblingsmoderatoren wie Don Rispetto (Radio Kanaka Internacional), Katrin Schmick oder Erci E. (Nargile) über diese Foren kommunizieren oder einfach nur ihrer Kritik oder ihrem Lob Ausdruck geben.

Wir streben weitgehende Interaktivität an: Aus passiven Hörern sollen kompetente Mitgestalter werden. Denn unsere Hörer sind auch immer Multiplikatoren in ihren Communities, was aus integrationspolitischer Sicht einen sehr wichtigen Anhaltspunkt für die Programmgestaltung liefert. Dialogorientierte Sendungen werden also eine größere Rolle spielen. Die Einbindung der Zuhörer durch Call-Ins, Kooperation mit Vertretern aus den Communities, wie auch mit Experten wird dem Programm eine größere Dynamikverleihen und das Radio mehr als ein Kommunikationsmedium gestalten.

Interaktivität soll also nicht nur durch die Verbindung der beiden Medien Radio und Internet gelingen, sondern auch durch die Philosophie, die der Programmgestaltung zugrunde liegt. Diese bietet viel mehr Raum für autonom gestaltete Sendungen. Wir werden Programmfenster anbieten, die Musiker und DJ-Kollektive aus Berlin, z.B. La Regla oder ED 2000, aber auch in der antirassistischen oder sozialpolitischen Arbeit engagierte Menschen aus Brandenburg selbst gestalten - natürlich mit unserer redaktionellen und technischen Unterstützung. Hier bieten sich auch Möglichkeiten, neue Formate zu entwickeln, in denen Politiker und Experten mit den Fragen der Menschen aus den verschiedenen Bezirken und Organisationen konfrontiert werden können.

Einige Sendungen, die es auch bei radiomultikulti schon gab, sorgen dafür, dass unsere Stammhörer auch weiterhin bedient werden. Sendungen wie Auf Reisen - das Globetrotter-Magazin von Ulf Hoffmann (ehemalig "Reisefieber"), so wie auch die Kinotipps von Peter Claus werden unserer Hörerschaft das attraktive Surplus mit zu gewinnenden Reisen und Kinokarten geben.

Auch das fremdsprachige Angebot kommt natürlich nicht zu kurz: Die vietnamesische Sendung mit Hung Manh Le und Hoa Phuong Tran und die persischsprachige Sendung mit Nasrin Bassiri und Amir Farshad Ebrahimi werden wie gewohnt am Sonntagabend laufen. Selbstverständlich wird auch die Türkische Community in vielen Sendungen und Formaten angesprochen. Lingua franca wird Deutsch sein. Themen und Nachrichten aus den fremdsprachigen Sendungen (vietnamesisch, persisch, arabisch, türkisch, serbisch/kroatisch/bosnisch, spanisch, polnisch, russisch) werden aber in die deutsche Magazinsendung einfließen und zusammen mit Musiksendungen in bilingualer Doppelmoderation den global sound unseres Internetradios formen.

Die Technik

Trotz unserer mehr als knappen Mittel haben wir zum Start für unser neues Programm vier Windows-Streaming-Server von einem Deutschen Anbieter angemietet. Durch diese, für ein Internetradio üppige Ausstattung, können wir anfänglich gleichzeitig knapp über 1.000 Hörer im Internet bedienen. Natürlich erwarten und erhoffen wir uns mehr Hörer und bitten bereits im Voraus um Verständnis, dass uns im Rahmen unserer derzeitigen Situation keine weitergehenden Möglichkeiten zur Verfügung stehen. So schnell wie möglich werden wir unsere Sendung auch im Podcast-Format zum Nachhören und Download zur Verfügung stellen.
Leider haben wir im Moment noch nicht das nötige Kleingeld, um die teuren GEMA- und der GVL-Gebühren dafür zu bezahlen.
Für eine Erwähnung des folgenden Spendenkontos wären wir Ihnen deshalb bei der Berichterstattung sehr dankbar.

Brigitta Gabrin, Geschäftsführung
Thomas Koriat, Pressesprecher