Radio multicult.fm bangt um sein multikulturelles Profil und schließt Partnerschaften zu dessen Stärkung

25.06.2012

Wegen fehlender Unterstützung durch öffentliche Gelder und durch Kürzung seiner Sendestunden auf der nichtkommerziellen UKW-Frequenz 88,4 sieht das ehrenamtliche Berliner Radioprojekt seine Kernkompetenz gefährdet.

Bei der Neuvergabe der Sendezeiten vor einigen Wochen hat die Medienanstalt Berlin - Brandenburg (MABB) das Sendefenster von multicult.fm um fünf Stunden wöchentlich gekürzt. Betroffen davon ist vor allem das innovativ- integrative Kernstück des Programmes: die Fremdsprachensendungen, die für die deutsch-sprachige Hörerschaft zweisprachig produziert werden.

Das Radio sucht nun verstärkt den Schulterschluss mit anderen multikultulturellen Medienprojekten und plant den Ausbau der "multicult Treuhandstifung". Diese bezweckt nicht nur mittelfristig die finanzielle Absicherung der Radiobetriebes, sondern auch die Unterstützung des bundesweiten Netzwerkes der Neuen Deutschen Medienmacher.

Eine Medienpartnerschaft hat das Radio auch mit der Berliner "Woche der Sprache und des Lesens" geschlossen, die unter der Schirmherrschaft von Frau Christina Rau vom 01. bis 09. September 2012 stattfinden wird.

Hintergrund

Mit Höhen und Tiefen hat multicult.fm einen Großteil der gesteckten Ziele erreicht: ein Live Morgenprogramm, das seit 2 Jahren auch auf UKW zu empfangen ist, maximale Hörernähe durch das gläserne Studio in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg und dadurch auch Verwirklichung des partizipativen Ansatzes.

Die vom Team erhoffte finanzielle Unterstützung durch öffentliche Mittel bleibt allerdings aus. Quer durch alle Parteien und Ressorts bekunden Politiker dem Radio schon seit seinem Sendestart im Januar 2009 ihre Sympathie ? aber die gestellten Förderanträgen werden meistens nicht bewilligt.

Allein von der Medienanstalt Berlin- Brandenburg (MABB) bekommt multicult.fm indirekt eine Unterstützung: ein kleines Sendefenster innerhalb des nicht-kommerziellen Senderverbundes 88vier.

Bei der Neuvergabe der Sendezeiten vor ein paar Wochen, beschloß allerdings der Medienrat, das multicult.fm Sendefenster wochentags um eine Stunde täglich zu kürzen - mit der Begründung: "Technische Mängel bei der Programmzulieferung". Diese waren finanziellen Engpässen geschuldet und sind Anfang des Jahres vom multicult.fm Team durch erheblichen Kraftaufwand beseitigt worden.

Multikulturelle Kernkompetenz des Radios gefährdet

Mit der Kürzung der Sendestunde von 9-10 Uhr sind nun die Fremdspachen-Magazine (chinesisch, türkisch, italienisch, serbokroatisch und spanisch) nicht mehr im klassischen Radio hörbar. Ein großer Verlust für Macher und Hörer: die Sendungen wurden in einem ausgefeilten Format mit zweisprachigen Moderatoren - also mit maximal integrativem Ansatz produziert.

Lea Zhou, Chefredakteurin der chinesischen Europa-Ausgabe der "Epoch Times" hatte vor einem halben Jahr mit Hilfe magerer EU Fördermittel und Einsatz ihrer Freizeit ein chinesisches Magazin gestartet, das sie nun einstellt: "Die "Luftbrücke zu China" ist ein Unikat auf dem europäischen Radiomarkt, darüber hinaus ein vom chinesischen Staat unabhängiges Magazin. Für uns Macher ist es nicht einsichtig, eine mutige freie Radiostimme über Ereignisse in China nur als Live-Stream im Internet zu senden oder terrestrisch zu einer Zeit, in der sie von unserer Community nicht gehört wird." (zw. 6.00-7.00 Uhr morgens).

Chefredakteurin Brigitta Gabrin hofft, dass nicht noch weitere Sendungen wegbrechen und stellt sich den notwendigen Konsequenzen: "Die multikulturelle Profilschärfe zu halten ist uns leider nur zu Zeiten befriedigend gelungen, in denen eine Regelfinanzierung durch die MABB in Aussicht stand, also ganz am Anfang des Projekts. Aus eigener Kraft eine perspektivische Dauerfinanzierung für die Umsetzung unserer Inhalte zu finden, ist meiner Meinung nach die einzige Lösung. Ich ziehe mich deshalb aus der operativen Ebene zurück und konzentriere mich in Zukunft auf die Akquise von sicheren, mittel- und langfristigen Finanzierungsquellen."

In einem ersten Schritt wird B. Gabrin die vor zwei Jahren gegründete "multicult Treuhandstiftung", deren Vorstand sie ist, zu einer rechtsfähigen Stiftung ausbauen. Bei einem im Herbst geplanten Benefiz-Dinner soll das erforderliche Stiftungskapital eingeworben werden.

Rückfragen bitte an: presse@multicult.fm

 

multicult.fm auf UKW 88,4 in Berlin und 90,7 in Potsdam
Mo bis Fr 06-09 Uhr
Sa und So 06-12 Uhr

Marheineke Markthalle
Marheineke Platz 15
10961 Berlin

Verantwortlich: Brigitta Gabrin, Chefredaktion