Die Dunkelkammer

Frei nach Erich Maria Remarque

Do., 10.12.2015, bis So., 13.12.2015 | 20:00 bis 19:00 Uhr | Ballhaus Naunynstraße | Reg.: 7€ Erm.: 5€

©Theater Ballhaus Naunynstraße

Heute Nacht kämpfen nicht dreißigtausend Griechen gegen dreißigtausend Deutsche, sondern sechzigtausend weiche menschliche Körper gegen unzählige stählerne Maschinen. Das sind die beiden wirklichen Gegner, die Menschen auf der einen, die Maschinen auf der anderen Seite. Und der Sieg ist letzteren gewiss. Die Maschinen fühlen keinen Schmerz, lieben nicht, haben keine Phantasie, keine Ahnung von der Lust am Leben und der Lieblichkeit der Sonne.Leben im Grab von Stratis Myrivilis

Ein Besuch bei den Rückkehrern von der Westfront. Aus einem Krieg, der anders war, als jeder Krieg zuvor, weil er von einer Kriegsmaschinerie dominiert wurde, auf die weder der menschliche Geist, noch der Körper vorbereitet war. Tausende Tote täglich und unzählbare schreckliche Verletzungen bei den Überlebenden. Soldaten, die an ihre psychische Belastungsgrenze gebracht und in Folge ihrer Traumata oft als „hysterische Simulanten“ abgestempelt wurden.

Wie kann man eine schockierte Gesellschaft begreifen? Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, während sie nicht wissen, ob sie fürchten oder hoffen, kämpfen oder kapitulieren sollen? Krise, Krieg oder Koma? Kostis Kallivretakis sucht den Abstand zum heutigen Griechenland und macht sich auf eine Zeitreise, nicht um fertige Antworten zu finden, sondern um den passenden Raum für seine Fragen zu schaffen. Er geht ein Jahrhundert zurück zur ersten schockierten Generation Europas - von gegenwärtigen Ausnahmezuständen zur Geburt des Shell Shock im Ersten Weltkrieg.

Die Paranoia kämpft sich in den Vordergrund, zielt auf den einzelnen Soldaten und trifft dabei ganze Gesellschaften.

Eine Dunkelkammer, in der kein Bild entwickelt wird, sondern Erinnerungen, die langsam greifbar werden. Mal nur schemenhaft wahrnehmbar, mal messerscharf und lebendig. Was ist echt, was Hirngespinst? Wer ist dieser Mensch da drüben? Dein Bruder? Dein Feind? Ist der überhaupt echt? Was ist da draußen passiert? Und wann ist es endlich vorbei?

 

Tonight it's not thirty thousand Greeks fighting against thirty thousand Germans but sixty thousand soft human bodies against countless steely machines. These are the two true opponents, humans on one side, machines on the other. And the latter will doubtlessly be the victor. Machines don't feel pain, don't love, have no imagination, no clue of the lust for life and the sun's sweetness.

- Life in the Tomb by Stratis Myrivilis

A visit with those returning from the Western front. From a war that was different from every war preceding it because it was dominated by a war machine that neither the human mind nor the body was prepared for. Thousands of casualties every day and survivors with innumerable terrible wounds. Soldiers almost at their mental breaking point, who as a result of their traumata were often labelled as "hysteric hypochondriacs".

How do you understand a shocked society? People whose lives were turned upside down while they don't know if they should be fearful or hopeful, should fight or surrender? Crisis, war, or coma? Kostis Kallivretakis seeks to take a step back from today's Greece and embarks on a time journey, not in order to find ready answers but to create the appropriate space for his questions. He goes back one century to the first shocked generation in Europe - from current states of emergency to the birth of shell shock in World War I.

Paranoia battles its way to the foreground, targeting the individual soldier, thereby affecting whole societies.

A darkroom where it isn't photos that are developed but memories which slowly become tangible. Sometimes perceptible only as a silhouette, sometimes razor-sharp and vivid. What is real, what is a fantasy? Who is this person over there? Your brother? Your enemy? Are they even real? What happened out there? When will it finally be over?